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letzten Strahlen der Sonne sind entschwunden, am tiefblauen Himmelsgewölbe zeigt sich kein Wölkchen, kein Nebelschleier. Der Mond behauptet dort seine milde Herrschaft über das Heer der Sterne. „Guter Mond, du gehst so stille durch die Abendwolken hin", singt man wohl im nebelreichen Deutschland, wo oft der Mond mit seinem ohnehin schon viel blässeren Gesichte durch die Wolken und den grauen Dunstschleier nicht blicken kann. Hier in Afrika ist sein Gesicht voller, und ohne Nebelkranz leuchtet er immer hernieder. Hell und weiß fällt sein magisches Licht durch die reine, durch- sichtige Luft. Die Nacht ist zum vollen Tage geworden. Ich versuche zu schreiben. Keine Anstrengung ist vonnöten. Ich lese und lasse selbst den direkten Schein nicht auf das Blatt fallen. Ich vermag es. Unser Wagen wird von 14 Ochsen gezogen. Aber dieses Gespann verfehlt auch keinen Augenblick den am Tage kaum sichtbaren Weg, der sich durch dichte Dornbüsche hindurchwindet und mitunter an schroffen Felsabhüngen vorbeiführt. Kein Tier tut einen Fehltritt. Jetzt verstehe ich auch, obgleich noch ein Neuling, daß man hier sehr oft die Nachtzeit zum Reisen benutzt, sei es, daß man auf Pferde oder Maulesel reiten oder einsam in dem mit vielen Ochsen bespannten Wagen hocken muß.
Immer und immer schaue ich wieder auf den klaren Himmel, auf die lichtüberströmte Landschaft, bis ich in später Mitternacht vor Windhuk an unserem Klvsterheim stehe. Vom Missionshügel herab werfe ich noch einen Blick auf die vor mir liegende Stadt mit ihren niederen Häusern und auf die Umgebung. Wie lauter Silber glänzen die Wellblechdächer der einzelnen Häuser, die genau kenntlich sind. Über die Stadt hinaus erblicke ich die Eros- und Auasberge, deren lichte Kämme einem Glorienschein gleichen, von dem Windhuk umflossen ist. Ich schaue zurück nach Westen, von wo ich gekommen und sehe die langgestreckte Hochebene einem klaren, unermeßlichen Meeresspiegel gleich. Nur ganz in der Ferne tauchen die Höhenzüge auf, die ich überschritten, und sie allein wehren dem über die weite Silberfläche schwebenden Auge den Ausblick. P. Joseph Krein.
3. Lins kcilirt nack ketiobotti.
Das Tal des Kuiseb selbst ist mit großen Auabäumen bestanden, in deren Schatten wir einen Ruhetag mächten. Unseren Ochsen tat dieser Ruhetag sehr gut; sie konnten sich an den reichlich am Boden liegenden, abgefallenen Schoten dieser Akazienart einmal wieder nach der entbehrungsreichen Reise über die Namib, den wüsten Küstenstrich, gründlich den Magen füllen und zu der bevorstehenden schlechtesten Strecke des Weges neue Kräfte sammeln.
Wo der Weg den Fluß überschreitet und auf seiner linken Seite über das wildeste und zerrissenste Gebirge zur Hochfläche aufsteigt, von wo er dann auf ebenem Gelände bis nach Rehoboth weiterführt, ist die schrecklichste Strecke, die ich im ganzen Lande kenne. Selbst die Auasberge bei Windhuk sind ein Kinderspiel dagegen. Auf einer Stelle macht der Weg einen kurzen Bogen. An seiner einen Seite steigt der Berg schroff in die Höhe, auf der andern fällt er steil einige hundert Fuß ab; auf einem