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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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Und so sehen wir in Südwestafrika ein Land der Kulturoasen entstehen, die räumlich oft weit getrennt sind durch Landschaften, die noch heute nur in der Regenzeit dem Nomadenleben Unterhalt bieten, mit deren schrittweiser Eroberung man jedoch jetzt bereits beschäftigt ist. Kurd Schwabe.

2. Cine Monäncickit in Oeutlck-ZliönLltcikrikci.

Wer immer über Afrika geschrieben hat, der kommt in seinen Schil­derungen auf die großartige Lichtfülle zu sprechen, welche die Sonne des dunklen Erdteils über seine unermeßlichen Landschaften ausgießt und mit der sie die ausgedörrten und lebensarmen Fluren belebt und verschönert. Wenige aber haben über die prachtvollen Mond- und Sternennächte berichtet; dennoch sind diese in ihrer Art herrlicher und anziehender als die allzu blendende Lichtfülle des Tages. Diese verklärt zwar die großartige afrikanische Natur, aber auf die Dauer wird sie dem schwachen Äuge unzuträglich. Hingegen erhellt der Mond mit seinem hier in Afrika geradezu zauberhaften Glänze die Fluren genug, um auch dem schwächeren Blick alle Einzelheiten der Um­gegend erkennen zu lassen, ohne aber dabei die Wildheit der Berge und Klüfte aufzudecken.

Ich bin in stiller afrikanischer Waldeinsamkeit, weit von jeder mensch­lichen Wohnung. Über Felsen und Sanddünen, durch Walddickicht und Flußbetten läuft unser Ochsengespann rüstig dem Klosterheim von Windhuk zu, das wir mit dem ersten Morgengrauen zu erreichen gedenken. Ich ver­lasse die Karre und schreite ruhig hinterher. Ich verlasse auch und vergesse meine Reisegefährten, um Ohr, Auge und Herz den Schönheiten der Natur zu öffnen. Der Abend senkt sich still auf Berg und Tal hernieder. Die Sonne ist untergegangen. Nur noch der westliche Himmel ist von ihrem Purpur gerötet. Auch die Bergriesen tauchen ihre Häupter noch in den letzten Sonnenstrahl, der bald zu verglühen droht. Im Osten, am wolken­losen, nebelfreien Horizont, steigt der stille Mond über die Gebirgskämme herauf und gießt sein weißes Licht in reicher Fülle auf den roten Mantel nieder, mit dem die Abenddämmerung Himmel und Erde zudeckt. Welch eine Licht- und Farbenpracht! Da gibts keine end- und leblose Einöde vor dem erstaunten Blicke. Alles lebt, alles ist Licht, alles regt sich, von feen­haftem Zanberglanze umflossen. Die kahlen Felsgesteine der großen Berge der Umgegend zucken und blitzen, wie Nachtgeister schweben sie über der ver­klärten Natur. Tragen die Bergspitzen auch keine zerfallenen Burgruinen, deren morsche Mauern sich im Mondlichte verjüngen und beleben, hier in Afrika hat die Natur selbst Riesendenkmäler geschaffen. Hier ein Berg, der gleich einer Pyramide seine feurige Spitze zum Himmel erhebt, dort Felsen- vorsprünge, durch die Kraft der Natur fester und kühner gebaut als Ritter­burgen von Menschenhänden.

Die Nacht ist weiter vorgerückt. Wüstenstille ringsum, kein Raubtier läßt seine Stimme erschallen, obgleich sie jetzt alle auf Beute ausgehen. Im Tale plätschert keine Quelle, keine Stimme erschallt in den Bäumen, kein Rauschen regt sich in ihren Blättern. Nur das eintönige Rasseln des Ochsenwagens höre ich, und das vermag die Feierstille nicht zu trüben. Die