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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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und oft habe ich hier hungernde Knaben herumlaufen sehen, die ein trüb­seliges Gesicht machten und mit den Händen auf den eingesunkenen Magen klopften, zum Zeichen, daß der Hunger groß sei. Der Vater ist vielleicht auf den Handel weit in das Innere gereist, oder er ist auf der Jagd und denkt nicht einmal an seine Kinder. Der Knabe muß sehen, wie er etwas zu essen bekommt. Mit einem Gesicht, dem man den Hunger schon auf hundert Schritte ansieht, wandert er im Dorf herum, bis er jemand findet, der beim Essen sitzt. Ungefragt setzt er sich auch auf den Boden zur Holzschüssel, er greift mit der Hand wacker zu und schiebt ganze Hände voll auf einen Schub in den weit­aufgesperrten Mund, daß die Backen Hinausstehen wie bei einem Trompeter. Zum Glück sind hier die Leute so gastfreundlich, daß sie so einen hungernden Kameraden nicht fortjagen, sondern ihn mitessen lassen, bis die Schüssel leer ist. Doch allzu schwer nimmt's ein Kamerunknabe auch nicht, wenn er ein­mal einen Tag lang gar nichts zu essen bekommt.

Aber siehe dal Während er so müßig und planlos herumwandelt, oder vielleicht auch an einem Bach oder Sumpfe sitzt und da gemütlich Fische, Schildkröten und Frösche fängt, wird er auf einmal gepackt und davonge- schleppt. Zum Lachen ist ihm natürlich nicht, vielleicht heult er jämmerlich, oder er läßt sich in stumpfer, stiller Trostlosigkeit von seinen Häschern davon- schleppen. Unterwegs erfährt er, daß sein Vater oder ein Verwandter von ihm schon viele Jahre lang einen Elefantenzahn schuldig sei, oder daß sein Vater eine Frau gestohlen oder sonst etwas angestellt habe. Dafür muß nun er, der Sohn, so lange in der Gefangenschaft, meist an einer schweren Kette, büßen, bis der Vater seine Schuld bezahlt hat. Armer Knabe! Wie übel bist du daran mit deiner Freiheit! In der Gefangenschaft wird er viel­leicht nicht schlecht behandelt, aber die Gefangenschaft und die schwere Kette machen ihn krank. Wie übel ist er jetzt daran! Ärzte gibt es nicht, sondern nur Zauberkünstler oder Quacksalber. Vielleicht holt man so einen Zauberer, aber alle seine Künste helfen nichts, es wird nur noch schlimmer mit der Krankheit, und ein Wunder ist es, wenn der Knabe nicht stirbt. Fast könnte man sagen, es wäre ihm zu gönnen, wenn er stürbe; denn wenn er auch wieder frei wird, so hat er doch sein Lebenlang nichts Gutes auf der Welt.

15. Die Nuhpklanren 6es Negers.

Die Pflanzungen und Felder der Eingeborenen sind bei den Bakundu und Batom in mehr oder weniger großer Entfernung von den Hauptdörfern der Freien gelegen. In ihnen finden sich zumeist die Sklavendörfer, da ja die hauptsächlichste Arbeit der Leibeigenen eben in der Bewirtschaftung der Pflanzungen besteht. Sie liegen, wie die Dörfer, in gerodeten Urwald­lichtungen, auch bei großer Nähe am Dorf stets durch Streifen Waldes von ihm geschieden. Dem Auge des Europäers machen sie einen gänzlich ver­wahrlosten Eindruck. Denn wir verbinden unwillkürlich mit dem Wort Pflanzungen, Felder u. dergl. die Anschauung, daß die Menschenhand da gewissermaßen in dem wirren Pflanzenwuchse, wie ihn die Natur hervor­bringt, Ordnung geschaffen hat. Hier ists gerade umgekehrt: die Menschen­hand scheint nur verwüstet zu haben. Die Bäume, die vielfach am Wurzel-