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aber eine leise Einwirkung zur Anbahnung einer neuen Zeit war doch zu bemerken. Die Greuel des Heidentums können sich nur halten, solange das Dunkel der heidnischen Macht über dem Volke lagert. Vor den hereinfallenden Strahlen des Evangeliums weicht eine blutige Volkssitte nach der anderen.
Doch was der Rat der Alten in diesem Falle im Gegensatz zur bisher üblichen Volkssitte beschlossen hatte, das fand doch nicht allgemeine Billigung. Die Söhne des verstorbenen Oberhäuptlings gaben sich damit nicht zufrieden. Gebieterisch verlangten sie ein blutiges Opfer. Andererseits erklärten sich die Freunde der Verurteilten bereit, die geforderte Sühne zu zahlen. Tagelang schwankte das Endergebnis zwischen den beiden Parteien. Aber es neigte sich schließlich doch auf die Seite der rachedürstigen Häuptlingspartei. Wieder legten die Missionare ernstliche Fürsprache für das Leben der Verurteilten ein; aber man äußerte es ohne Scheu, daß wohl vier Weiber würden mit dem Tode büßen müssen. Schließlich erschienen ein Sohn des Verstorbenen und ein Häuptling auf dem Missionshügel und stellten den Missionaren vor, man sollte sie wenigstens eine Frau töten lassen. Es war dies offenbar nur eine Art von Entschuldigung, denn das Urteil war trotz des Einspruchs der Missionare schon gefüllt. In aller Stille wurde eine Frau ertränkt und einem Manne der Hals abgeschnitten. Beide unschuldigen Opfer des heidnischen Wahns wurden nebeneinander beerdigt. Ohne die Fürsprache der Missionare wären, wie die Heiden selbst bezeugten, mindestens zehn Personen hingemordet worden.
Aus „Pionierarbeit im südlichen Kamerun".
14. ?rei und dock nickt kroti!
„Freiheit, die ich meine/' so kann in Kamerun jeder Negerknabe fröhlich singen; denn er ist so ziemlich sein eigener Herr und kann tun, was er will. Den Eltern braucht er nicht Untertan zu sein, wenn er nicht will; zu arbeiten braucht er auch nicht, wenn er nicht will; er kann hingehen, wohin er will; er kann treiben, was er will; und wenn er nicht schlimme Streiche anstellt, etwa jemandem die Hütte anzündet, oder des Nachbars Hühner unbekümmert totschlägt, oder übermäßig stiehlt, so kann er das ganze Jahr ohne einen Streich Schläge davonkommen. Das wäre schön, wenn wir es auch so hätten, denkt vielleicht mancher der jungen Leser; wie herrlich könnte man dann in Feld und Wald herumstreichen und nach bestem Vergnügen „Ritter und Räuber, Indianer und Robinson" spielen I Doch wünscht euch nur das nicht; denn sonst wäret ihr auch bald so unglücklich, unwissend und unbrauchbar wie die Kameruner. Dankt dem lieben Gott, daß ihr nicht auch Heiden seid; denn ich kaun euch versichern, daß diese Kamerunknaben trotz ihrer Freiheit ein trauriges und trostloses Leben haben. Sie sind Sklaven der Sünde, und ich habe hier noch nie so fröhliche und muntere Heidenknaben gesehen, wie ich in Europa Chrislenknaben sah.
Wenn ihr aus der Schule heimkommt, so habt ihr Eltern zu Hause, die für euch sorgen, und ohne weiteres dürft ihr euch an den Tisch setzen und essen; aber in Kamerun kümmern sich viele Eltern nicht um ihre Kinder,