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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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einige biblische Geschichtchen fließend in der Dnala-Sprache erzählen, obgleich diese von ihrer Muttersprache ganz verschieden ist. In langsamem Takte werden Lesestücke der Fibel ohne Anstoß vorgelesen, und auch im Schreiben ist schon ein Anfang gemacht. Die auswendig gelernten Bibelsprüche werden gut hergesagt, und der Schulinspektor kann nur wünschen, daß das aus­wendig Gelernte nun auch recht inwendig ins Herz dringen und dort Früchte bringen möge. Der Missionar ist mit den Leistungen zufrieden und verheißt deshalb jedem Schüler ein kleines Geschenk.

Unter atemloser Spannung greift er in sein Köfferchen und teilt seine Gaben aus, eine Fibel, ein Heft, Griffelhalter und ähnliches. Das Glück, der Besitzer eines solchen Schatzes zu sein, ist natürlich groß, und nachdem die Prüfung mit Gebet beschlossen ist, eilt jedes Kind heim, sein Geschenk zu zeigen.

Weil die Jugend sich so gern freut, will der Missionar zeigen, daß auch Christen fröhlich sein dürfen. Von Freunden in Europa hat er etwas Feuerwerk bekommen; da will er nun ein paar Schwärmer und Frösche ab­brennen, sobald es dunkel geworden ist. So etwas war noch nie dage­wesen, und alles war auf den Beinen, um diese Merkwürdigkeit zu sehen. Die Jungen waren vor Freude ganz außer sich, wenn wieder so ein Frosch krachte, und auch die Alten kamen vorsichtig herbei. Es ist ein gelungener Schluß der Schulprüfung und eine Ermunterung zu fernerem, treuem Lernen.

12. Dar koscingouslLii.

Ein bezeichnender heidnischer Brauch sind in Kamerun die sogenannten Losango. Das sind Geheimbünde, die im Namen irgend eines heidnischen Gottes oder Teufels geschlossen werden und sich anmaßen, eine Art geheimes Gericht auszuüben. Dies geschieht mit viel Ungerechtigkeit und roher Ge­walt, und darum üben diese Gesellschaften eine furchtbare Schreckensherrschaft aus. Die deutsche Regierung denn Kamerun ist ja seit 1884 deutsche Kolonie hat denn auch das Losangowesen verboten. Dessenungeachtet blüht es heute noch fast überall.

Ein Missionar erzählt uns etwas von dem Losangowesen, das er auf einer Predigtreise in der Gegend des Soden-Sees gesehen hat.

Wie nötig es ist, daß die Leute mit dem Evangelium bekannt werden, das zeigen uns besonders einige Blicke in den Losangodienst, wie wir sie in der nördlich vom Soden-See gelegenen Stadt Lokumba getan haben. Nahe unserer Lagerstätte, in der Hütte des Häuptlings, steht ein Holzklotz, der einen Menschen vorstellen soll. Er ist mit allerlei schmutzigem Kram behängen. Davor pflegt der zu Gott und den Geistern Betende zu stehen. Die in die Geheimnisse Eingeweihten wissen freilich ganz gut, daß es eben nur ein Holz ist, und daß nichts weiter dahinter steckt. Sie benützen diesen Götzen nur als Schreckmittel, um furchtsame Seelen zu ängstigen. Wird etwa eine Frau beschuldigt, etwas Böses getan zu haben, so soll das Götzenbild die Schuld oder Unschuld erweisen. Zu dem Zwecke stellt man die Frau vor die Figur und fragt sie angesichts derselben: Hast du das