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hören wenigstens 200 Acker Land. Um nun die Schüler in den Stand zu setzen, sich später ihren Lebensunterhalt ehrlich zu verdienen, werden sie hier zu einem Gewerbe angehalten, zu Gärtnerei, Zimmerei usw. Wenn sie dann in ihr Dorf zurückkehren, können sie Häuser bauen, Tische und Stühle herstellen, ihre Kleider fertigen und was sonst zu einem kulturell gehobenen Leben nötig ist.
Die Missionare haben sich lange danach gesehnt, eingeborene Hilfskräfte bei ihrer Tätigkeit zu bekommen. Sie haben es erreicht, wenn es auch langer Zeit und vieler Geduld bedurfte. Nun haben sie welche, die ihnen nützlich, ja unentbehrlich geworden sind. Vom Garten bis zum Lehrpnlt findet man jetzt junge Leute, welche die ihnen anvertraute Stelle gut ausfüllen. Sie besorgen den Einkauf und die Verteilung der Eßvorrüte, sie unterrichten in den Klassen, sie halten die Sonntagsschule. Knaben und junge Burschen, die selbst noch nicht lange die Schulbank verlassen haben, können mit solchen Aufgaben betraut werden oder sich um einen Regierungs- pvsten bewerben und nehmen unter ihresgleichen in den Dörfern eine geachtete Stellung ein. Aus Frazer, Ein Jahrzehnt im Innern von Kamerun.
11. Zckulvilitciljon.
So, das gibt's in der Mission auch? rufen gewiß manche unserer Leser erstaunt aus. Sie wissen genau, wie einem dabei zumute ist, wenn es plötzlich heißt: Morgen kommt der Herr Pastor oder gar der Herr Kreis- schulinspektor zur Prüfung. Da kann's ja geschehen, daß ein Kind, das sonst seine Sachen ganz gut weiß, aus lauter Befangenheit eine extra dumme Antwort gibt, daß der Herr Lehrer nachher sagt: „So etwas hätte ich aber von dir nicht erwartet!" Manchmal geht's aber über Erwarten gut.
Wie ist's nun in Kamerun? Da freut sich oft der Missionar herzlich, wenn er nach beschwerlicher Reise in ein Dorf kommt, wo einige Christen sind, und wo auch eine Schule ist. Gewöhnlich springen ihm da schon von weitem ein Paar Schüler entgegen und rufen: „Guten Tag, Lehrer, guten Tag!" Einige andere wollen ihn auch auf deutsch begrüßen, weil aber ihre Sprachkenntnis noch sehr gering ist, so rufen sie: „Gute Nack, Lehrer, gute Nacht!" obwohl es erst Vormittags ist. Es ist aber herzlich gut gemeint und erfreut drum auch den Begrüßten. Ein wichtiger Augenblick ist's, wenn der Missionar die Schule betritt. Da hat vorher der eingeborene Lehrer genaue Anweisung gegeben, wie man sich zu verhalten habe. Die Schüler sitzen auf Bänken aus Baumstämmen, die über zwei in den Boden eingerammte Aste gelegt sind. Beim Erscheinen des Missionars fährt man mit einem Ruck von den Bänken aus, und jeder schreit mit Aufbietung aller Lungenkraft: „Guten Tag!" Es ist ein ohrenzerreißender, markerschütternder Gruß, und wer es nicht vorher weiß und von dieser Ehrenbezeugung überrascht wird, der muß gute Nerven haben, daß ihm nicht für einen Augenblick ein Schreck durch alle Glieder fährt.
Nun kommt die Prüfung. Zuerst biblische Geschichte, denn die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Da wissen die Schüler beider Dörfer, die zusammen geprüft werden, ganz gut Bescheid. Manche können sogar