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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
55
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So bleibt auch diese Überschwemmungszeit am Wurifluß nicht ohne Freuden für klein und groß.

Aus der Zeitschrift:Der Heidenfreund" (nach Miss. Gantendem).

9. Lin lulcimmLNÜLkken mit Iwergen.

Auf einer Kundschafterreife hatte ein amerikanischer Missionar in Süd- kamerun ein interessantes Zusammentreffen mit dem Völklein der Zwerge.

Es war am zweiten Tage seiner Wanderung durch den Urwald, als er­gänz unerwartet auf ein Zwergdorf stieß. Man bekommt dies kleine Volk nur äußerst selten zu Gesicht. Sie finden sich in ganz Mittelafrika, aber sie leben wie die Zigeuner unter verschiedenen Stämmen zerstreut, ohne jedoch zu ihnen zu gehören. Während die anderen Völkerschaften hauptsächlich vom Ackerbau leben und nur nebenher jagen und fischen, beschränken sich die Zwerge fast ausschließlich auf die Jagd und nähren sich außerdem noch etwa von den wilden Früchten und genießbaren Blättern des Waldes, in dem sie Hausen. Doch verschmähen sie keineswegs Feldfrüchte, wenn sie solche haben können, legen aber selbst keine Pflanzung an. Dabei sind die Zwerge so ehrlich, daß sie die Pflanzungen ihrer ackerbautreibenden Nachbarn nicht bestehlen. Um aber doch zu den erwünschten Feldfrüchten zu gelangen, gesellen sie sich ge­wöhnlich zu einem Dorfe irgend eines Volksstammes, in dessen Nähe sie kommen. Mit diesem treten die kleinen Leute in Tauschverkehr, indem sie ihr erlegtes Wild gegen den begehrten Landertrag anbieten. Dies Verhältnis ist beiden Teilen so angenehm, daß nicht selten eine Zwergfamilie mehrere Menschen­alter hindurch im Verband mit einem Dorfe ihrer stärkeren Nachbarn ver­bleibt. Ihren: Charakter nach sind die Zwerge, wenigstens in diesem Teile Afrikas, ein scheues, harmloses Völkchen. Sie kämpfen niemals um ihr Recht. Fügt ihnen der Stamm, dem sie sich angeschlossen haben, irgend ein Unrecht zu, so gehen sie einfach davon und schließen sich einem andern Dorfe an. Überall hat man die friedliebenden Leute gern als Nachbarn. Ihre Niederlassungen sind die denkbar einfachsten Hütten, in denen sie sich nur so lange aushalten, wie sie Wild in der Nähe finden. Beständig sind die Zwergstümme auf der Wanderschaft in den endlosen Waldungen, und selbst ihre Freunde wissen oft kaum, wo sie sich aufhalten.

Obschon die stärkeren Stämme ihnen alle Freundschaft angedeihen lassen, so nützen sie doch ihren Mangel an Weltkenntnis nach Kräften aus. Sie versehen sie mit Pulver, Flinten, Speeren und Baumwollzeugen, aber zu Preisen, wie es ihnen beliebt, und nehmen sich dabei sorgfältig in Acht, daß ihre Zwerge" mit niemand in Berührung kommen, der sie etwa darüber aufklären könnte, wie sie ausgebeutet werden. Darum ist es auch für einen Fremden so schwer, sie zu Gesicht zu bekommen. Bittet man etwa unterwegs, in ein in der Nähe befindliches Zwergdorf geführt zu werden, so stellen sich die Leute scheinbar ganz willig dazu, geben aber dabei zu verstehen, daß man die scheuen Zwerge erst auf die Ankunft des Weißen vorbereiten müsse, denn sie wären den Anblick eines solchen nicht gewohnt und würden sich fürchten. Die eigentliche Absicht aber ist, sie zum Davonlaufen zu veranlassen. Kommt man etwa zufällig zu einem Dorf Zwerge, so haben seine Bewohner so schreck-