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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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und, obwohl bis an die Hüften im Wasser watend, brachten sie unsere Sachen doch gut hinüber. Durch diesen Flußübergang waren wir wieder um eine Gotteshilfe reicher.

Nun bangte mir noch vor dem Übergang über den Bawo, dessen un­heimliche Wasser mir noch von der ersten Reise in Erinnerung waren. Doch siehe da! Die Leute hatten einen andern Weg ausfindig gemacht, und hier konnten wir durch das Wasser waten oder reiten. Beim Verlassen des Flusses Hütten allerdings die Träger bei der steilen Böschung den Kleinen in seinem Wagen beinahe auf den Kopf gestellt, wenn nicht meine Frau noch rechtzeitig hätte warnen können. So ging es täglich, einen Rasttag ausgenommen, über Stock und Stein, durch dick und dünn, durch Bäche und Flüsse, über Berge und Hügel. Aus der Zeitschrift:Der evangelische Heidenbote."

7. Kali, ein 6ocklcin6 Dnnerakrikcir.

Zwölf Tage lang hat der Reisende, der von der Küste ins nördliche Kamerun will, im heißen, fieberischen Tiefland zu wandern, durch endlosen Urwald, über schwankende Schlingpflanzenbrücken und durch brückenlose Bäche. Selten trifft er eine größere Ortschaft, häufig dagegen verlassene Dörfer, deren Bewohner sich von der vielbegangenen Heerstraße an sichere Plätze zurück­gezogen haben. Bei aller Üppigkeit tropischen Pflanzenwuchses ist das Land wie eine Wüste.

Plötzlich beginnt der Pfad zu steigen, und binnen weniger Stunden geht es mehr als tausend Meter bergan. Droben entfaltet sich eine ganz andere Welt. Das Hochland ist eine gewaltige Steppe, deren zwei Meter hohes Gras von frischem Winde bewegt wird, gleich einem Kornfeld vor der Ernte. Die grünen Wogen sind mit zahlreichen Blumen besät. Weithin schweift das Äuge, rückwärts über das dunkle Grün des Tieflands, aus dem sich vereinzelte Höhen erheben, vorwärts zu den mächtigen Bergen, die das Hochland überragen. Die nähere Umgebung ist von zahlreichen Tälern durch­schnitten, in denen klare Bäche rauschen; man kann ihren Lauf auf große Entfernung verfolgen, da die Wasserläufe von schmalen Streifen von Palmen- und Bananenwald eingefaßt sind, deren dunkles Grün sich kräftig vom Gras­land abhebt.

Noch zwei Stunden, und die erste Stadt in Bali ist erreicht. Sie ist wie ausgestorben. Auch hier lieben es die Leute nicht, an der unruhigen Kara- wanenstraße zu wohnen. Sie leben draußen auf ihren Mais- und Hirse- pflanzungen, haben aber in der Stadt einige schöne Hütten erbaut für die Durchreisenden, denen sie auch Lebensrnittel liefern. Noch einmal zwei Stunden, und in der Ferne erscheint die Hauptstadt von Bali, breit über einen Berg­rücken hingestreckt; auch sie ist erkennbar au dem saftigen Grün der Wein­palmen und Bananen, aus dem die spitzen Grasdächer der Hütten hervor­ragen. Durch endlose Kornfelder führt der Weg zur Stadt.

Man schätzt die Stadt Bali ohne die Vororte auf 810000 Ein­wohner. Die Häuser sind meist in kleinen Gruppen eng zusammengebaut, und jedes Gehöft ist durch eine lebende Hecke oder einen Mattenzaun abge-