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ö. Schwierige kluhübergcinge in Kamerun.
Das Wanderleben war meine Fran bald gewohnt, obwohl es ihr manchen Seufzer auspreßte: Täglich in einem andern Dorf, jede Nacht in einer andern Hütte, die von Ratten, Eidechsen und dergleichen Getier bewohnt war, zwischen Ballen und Koffern! Das Reiten und Marschieren stellten nicht geringe Anforderungen an ihre Kräfte. Aber die Gewißheit, täglich näher zum Ziel zu kommen, gab immer neuen Mut. Zu meinem Erstaunen kletterte meine Frau auch mutig die Leiter zur ersten Hängebrücke hinauf und lief ganz behende über den schwankenden Steg. Recht unangenehm war es allerdings für sie, als ein Stamm, der die Brücke über einen Bach bildete, voll schwarzer Ameisen war, die über sie herfielen und sie jämmerlich zerbissen. Sehr zu statten kam es, daß sich die Regierung in letzter Zeit sehr des Wegebaues angenommen hatte; wir fanden daher meist gute Wege und manche überbrückte Bäche und Flüsse. Not und Sorge bereitete uns der Übergang über den Mbu. Die alte gute Hängebrücke war zerbrochen und lag im Wasser. Eine neue, aber noch unvollendete Brücke befand sich an ihrer Stelle. Sie war zehn bis zwölf Meter hoch über dem Wasser. Etwa sechs fingerdicke Schlingpflanzen bildeten den Fußsteig und zwei Stränge von ähnlicher Dicke das Geländer. Fußsteig und Geländer waren durch weite Maschen von dürren Banmfasern miteinander verbunden. Das Ganze schaukelte und schwankte beim Betreten ganz bedenklich. Einige Lastenträger kletterten die leiterartige Treppe hinauf, betraten den zitternden Pfad und gelangten glücklich hinüber. Drei weitere Träger jedoch getrauten sich in der Mitte der Brücke mit ihren Lasten nicht mehr weiter. Die Brücke bewegte sich wie ein Pendel hin und her. Nur noch an dem einen Geländer hängend, schrie der eine der Träger vor Angst und sank in die Knie. Schon glaubten wir, er werde samt seinem Gepäck ins Wasser stürzen. Unser Zurufen flößte ihm jedoch Mut ein, und er beruhigte sich. Die Schwankungen wurden nun geringer, und als endlich vom jenseitigen Ufer ein anderer ihm zu Hilfe kam, waren er und die Last gerettet.
Zitternd standen wir mit unserem Kinde am Ufer. Was fangen wir an? Wie wird's gehen? Es ging nicht an, das Kind in einem Korbe hinüberzutragen, obschon ein solcher für diesen Zweck vorhanden war, denn der Träger mußte beide Arme frei haben. Da kam unser guter Maultiertreiber Salami, der bereits mit seinem Tier den Fluß durchschwömmen hatte, auf der Hängebrücke zurück und wußte Rat. Die vier Zipfel eines Teppichs ließ er sich unter dem Kinn zusammenbinden, so daß ein Sack auf seinem Rücken entstand. Wir legten unseren Friedrich hinein, Salami kletterte mit dem Kleinen hinauf. Seufzend und weinend sah die Mutter ihrem Kinde nach. Mein Freund schritt auf der Brücke voraus, um die Geländerstränge etwas auseinander zu halten, dann kam Salami mit dem Kind, und mit einigen Schritten Abstand folgte ich nach. Auf der Brücke blieb Salami einmal stehen und schaute sich nach dem Kinde um. Mit den Worten: „Auch wenn du über die Hängebrücke gehst, lachst du noch", wandte er sich wieder um und ging weiter. Wie jubelte mein Herz, als wir am andern Ufer wohlbehalten die Leiter Hinunterstiegen und ich den vergnügten Jungen aus dem Sacke nahm. Voll Freude über diese glückliche Bergung des Kindes erkletterte nun auch meine Frau die hohe Brücke und überschritt langsam aber sicher den gefahrvollen Steg. Die Lastenträger hatten inzwischen weiter unten eine Furt gesunden