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folgenden Tagen wurde uns alles gebracht, was wir zum Unterhalt bedurften. Zwischen uns und dem Könige wurden natürlich Besuche gewechselt.
Er interessierte sich sehr für unsere heimatlichen Verhältnisse und war erstaunt zu hören, daß man ihn in Deutschland kaum „König" nennen würde, und daß Bamum trotz seiner 10000 Einwohner in Deutschland nur eine kleine Stadt wäre. Nun erzählten wir ihm auch von Bali und den dortigen Schulen und hätten gern gewußt, was er zu der Gründung einer Missionsstation in Bamum sagen würde. Er äußerte zuerst einige Bedenken, worauf wir ihn baten, sich die Sache ruhig zu überlegen. Am andern Tag teilte er uns mit, er wünsche uns bei sich zu behalten, und wir sollten uns bei ihm niederlassen.
Wir besprachen auch ernste Fragen mit ihm. Er fragte uns über Gott, Auferstehung und nach dem Zustande der Verstorbenen. Auch das begehrte er zu wissen, ob jemand, der hier König sei, wie er, in jener Welt auch wieder herrschen werde. Wie wünschten wir doch, daß nicht nur dieser junge König, sondern bald auch sein ganzes Volk und Land die Botschaft von der Gnade Gottes in Christo hören dürfte, und daß das helle Licht des Evangeliums bald hineinscheinen möge in jene dunkle Heidennacht I Man muß dies um so mehr wünschen, als der Islam unaufhaltsam vordringt. Auch in Bamum wohnen jetzt schon über 500 Mohammedaner mit ihren Familien. Sie halten öffentlich auf dem Markte ihre Gebete und bezeugen daneben' dem König ihre Ergebenheit und Unterwürfigkeit.
Die Häuser in Bamum sind für afrikanische Verhältnisse schön gebaut. Sie stehen in gerader Linie, oft drei Reihen auf einer Seite der Straße. Sie sind meist neun Meter im Geviert, haben etwa sechs Bieter hohe Wände, die aus Flechtwerk von Palmrippen hergestellt und mit Lehm beworfen sind. Dann kommt ein etwa 70 Zentimeter hohes Gesims aus geflochtenem Gras, das allerlei Tierfiguren ausweist, wie Eidechsen, Leoparden, Schildkröten. Auf diesem Gesimse erhebt sich nun das Grasdach, das in eine Spitze aus- lüuft und sehr steil ist. Das Innere der Hütten ist sauber und schön ausgestattet. Am Eingang der Hütte, neben der Türe, hängt das Eßgeschirr, alles sein geputzt und geschmackvoll geordnet. An den Wänden hängen noch allerlei Töpfe und Krüge aus Ton, während die Decken mit geflochtenen Körben und Stühlen aus Palmrippen behängen sind.
Großartig ist der Hüttenpalast des Königs, der ungeheuer weit und fast ganz aus Palmrippen erbaut ist. Zum Königshof gehören die etwa vierzig kleineren Häuser, in denen die Diener des Königs wohnen. Es tut einem wohl, überall sehen zu können, wie dieses Volk etwas Bildung hat und auf äußere Ordnung sieht. '
Aus der Zeitschrift „Der evangelische Heidenbote."
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Aller Anfang ist schwer. Auch unser erster Schulanfang in Bamum war keine leichte Arbeit. Vor allem mußte ein geeignetes Schulhaus gebaut werden. Der Herrscher stellte dazu etwa zwanzig starke Arbeiter zur Verfügung; außerdem mußten zwei berittene Soldaten für Herschaffung des