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Der Ort Bonaberi ist ein großes und unter den Duala angesehenes Dorf von etwa 1000—2000 Einwohnern. Es liegt an der Stelle, wo der Wurisluß, von Nordost kommend, in das Kamernnbecken einmündet. Üppiger Pflanzenwnchs hüllt die Hütten in immer frisches Grün. Die gewaltigen Baumwollbäume erheben ihre Kronen zu majestätischer Höhe. Überall zwischen den Hütten und Straßen stehen die breitblätterigen Bananen und geben willig ohne menschliche Arbeit reichliche Nahrung. Ein ganzer Wald von prächtigen, schlanken Kokos- und Ölpalmen bildet den Hintergrund des Bildes. Mitten durch das Dorf vom Meer an bis in den „Busch" zieht ein lebendiger Zaun von Sträuchern und Pandanus-Bäumen in gerader Linie. Zwei kleine natürliche Kanäle, die zur Zeit der Ebbe fast ganz ohne Wasser sind, bilden die Zufahrt vom Meere. Zahlreiche Boote (Kanus), zum Teil 15 bis 20 Meter lang, aus einem Riesenbaumstamm ausgehauen, die größten als Wett- rnderboote mit allerlei Verzierungen bemalt, beleben den Strand und weisen darauf hin, daß die Dualaleute mit dem Meere wohl vertraut sind.
Hinter dem eigentlichen Dorfe betreten wir den „Busch". Zunächst im Palmenwald treffen wir zahlreiche, meistens einzeln stehende Lehmhütten. Sie sind niedrig und von ärmlichem Aussehen. Die Leute, die darin Hausen, sind ein anderer Schlag, als die Duala des Dorfes. Sie sind scheu und verstehen nicht einmal recht die Sprache der Duala. Es sind ihre Sklaven, die zum Teil sehr weit aus dem Innern Kameruns an die Küste verkauft wurden.
Aus E. Dinkelacker, Bonaberi.
2. Wanderung in Kamerun.
Im Gänsemarsch gehts zur Station hinaus, etliche schwarze Begleiter mit ihren Buschmessern voran, einige Träger mit den nötigsten Reisebcdürf- nissen hinter uns, lind nun: Gott mit uns! Die, die auf der Station zurückbleiben, winken uns noch lange nach. Sie wissen ja so gut wie wir, daß das Reisen in Kamerun immer eine ernste und oft gefährliche Sache ist.
An prächtigen Kakavpflanzuugen gehts vorüber, die von europäischen Handelshäusern angelegt worden sind und durch taufende schwarze Arbeiter in Stand gehalten werden. Auch etliche Kaffee- und Tabakplantagen begegnen uns und zeigen, auf welche Weise die Kolonie dem Heimatlande nutzbar gemacht werden soll. Ragende Ölpalmen erzählen uns davon, was neben der Kautschukpflanze den eigentlichen Reichtum des Landes ausmacht. Lang zieht sich der Weg hin, bald durch freie Striche, die mit hohem Grase bestanden sind, bald durch dichten Wald, den noch keine Menschenhand gelichtet hat. Je und dann treffen wir auf kleinere und größere Gruppen Negerhütten, deren trauriger, anscheinend dem Verfall naher Zustand uns die ganze Kulturarmut der Bewohner kund tut, während der schmuckbehangene Holzklotz in der Hütte des Häuptlings uns nur zu deutlich sagt, daß wir im Lande der Götzendiener sind.
Im ganzen haben wir uns bei unserem heutigen Marsch gewiß nicht über Langeweile beklagen können; der Weg war nicht einförmig. Aber freilich, die Sandflöhe haben uns gepeinigt, die Hitze hat uns gedrückt, und