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die Frauen auf dem Markte mit Wohlbehagen ihren Knaster aus den oben erwähnten Pfeifen rauchen.
In allen solchen Läden sind auch Bedarfsartikel und Lebensmittel für die Weißen zu haben. Konserven aller Art sind in Büchsen aufgespeichert daneben Weine, Batterien von Bier in Flaschen, Mützen, Tropenhelme, Drell- stofse sowohl für die Europäer als auch für die dortige Truppe, die in braunen Drell gekleidet ist; rote Feze, die auch zur Uniformierung dieser Truppe gehören und die Kopfbedeckung der mohammedanischen Bevölkerung ausmachen; kleinere Bedarfsartikel, wie Zigarren, Zigarrenspitzen usw. gehören gleichfalls zu den mannigfaltigen Waren der Faktoreien.
Aus: Klose, H., „Togo unter deutscher Flagge".
12. Lin Kriegszug in ^ogo.
Wir Europäer hatten uns vorgenommen, uns in zweistündiger Wache abzulösen, um die Posten zu revidieren und einen Überfall, sowie etwaige Ausschreitungen zu verhindern. Aber sobald die Leute mit den Lebensrnitteln von den Farmen zurückgekehrt waren, hatte die Ruhe ein Ende. Schnell hatten sich einige Kreise auf dem Markte gebildet, die das Feuer von neuem anfachten und nun ihren Iams und sonstige Früchte zu kochen begannen. Alsbald entstand Lärm und Geschrei im Ort; Weiber und Mädchen kreischten, Schlägereien fanden zwischen den Eingeborenen statt, und die raubgierig gewordene Bande unserer Hilfsvölker begann Schafe, Hühner und alles, was sie sonst noch auftreiben konnten, zu plündern und aus den Hütten der Eingeborenen wegzuschleppen. Hier liefen etliche rohe Burschen einem vor Angst schreienden und sich sträubenden Mädchen nach, dort stritten sich die Leute um die Töpfe und Kalabassen zum Kochen, andere suchten die davonlaufenden Hühner zu erhäschen, wieder andere machten sich eiligst mit einem halben, eben getöteten und noch dampfenden Schaf davon, um es über dem Feuer zu braten und mit den Genossen zu verzehren; an anderer Stelle machten sich die Leute eine kleine Ziege streitig, so daß sie das Tier auseinander zu reißen drohten, da jeder es für sich beanspruchte. Gegen diese Übergriffe mußten wir einschreiten. Wir durchstreiften mit Patrouillen die Stadt, um die Ordnung herzustellen und die Eingeborenen vor der Habgier der Kpango- leute zu schützen. Einige kräftige Fußtritte und Kolbenstöße unserer mitgefühlten Mannschaften taten gute Dienste, aber erst als wir verkündeten, daß jeder, den wir beim Plündern anträfen, erschossen werden würde, und einige Ruhestörer wirklich festnahmen, trat Ruhe ein. Wir hatten die ganze Nacht gewacht, und erwarteten sehnlichst den Tagesanbruch.
Um 5 Uhr ertönte das Wecken und bald entfaltete sich in dem Orte eine rege Tätigkeit. Die Wachen wurden eingezogen und das Signal rief die Soldaten an die Gewehre; ihrem Beispiele folgten auch die Hiftsvölker, deren Häuptling würdig wie ein Feldherr, auf dem Marktplatze Heerschau über seine Krieger hielt. Oberleutnant von Döring übernahm die Führung des Ganzen, ich die Vorhut und der Botaniker Baumann befehligte die Nachhut und die Hilfstruppen. Ich rückte nun mit der 40 Mann starken Vorhut auf der Straße nach Jogbe ab, während von Döring mit der Haupt-