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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
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Zweigen befreit. Nach einiger Zeit bringt man am oberen Ende des Stammes ein Loch an, unter welches eine Kürbisflasche oder Kalabasse gestellt wird, um den austräufelnden Saft aufzunehmen. Wenn das Loch allmählich ver­größert und vertieft ist, so läßt sich aus einem Stamm etwa sechs Wochen iang Palmwein gewinnen. Frisch ist er ein kühlendes, recht angenehmes Getränk; schädlich wird er erst, wenn man ihn in Gärung übergehen läßt und wohl noch gar mit scharfen Gewürzen versetzt. Es ist daher gut, daß die deutsche Verwaltung zum Schutz der Palmen wie der Menschen die Her­stellung des Saftweines einzuschränken sucht. H. Seidel.

10. Unsere ^ogoneger als Handwerker.

Zu den ältesten Gewerken in Togo gehört unstreitig die Schmiedekunst, die schon seit uralter Zeit bekannt ist und erfolgreich ausgeübt wird. In jedem ansehnlicheren Orte entdeckt man eine Schmiede, wo die Umwohner ihre Ackergeräte, Messer, Schwerter teils ausbessern, teils neu anfertigen lassen. Das Rohmaterial liefert im Süden und in der Mitte des Landes der weit verbreitete Raseneisenstein; die Gewinnung ist aber so ursprünglich und mühevoll, daß die Schmiede es vorziehen, das an der Küste gekaufte, billige, europäische Eisen zu verarbeiten. Die Schmiede befindet sich stets unter einem auf vier Pfählen ruhenden Schattendache; der Ambos wird durch einen harten, oben geglätteten Stein ersetzt, und die Hämmer, Feilen und Schraubstöcke stammen meist aus Europa. Ein aus Tierfellen genähter Handblasebalg entfacht das Holzkohlenfener und schafft die nötige Glut, um schadhafte Flinten und schartige Hieb- und Stichwaffen wieder instand zu bringen. Im gebirgigen Norden, besonders in den Landschaften Boom und Bassari, gewinnt man das Eisen aus etlichen erzreichen Bergen.,. Die zer­kleinerten Erzstücke werden mit Holzkohle in 23 Meter hohen Öfen lang­sam zum Schmelzen gebracht und liefern ein ziemlich brauchbares Material, das in den zahlreichen Schmieden zu allerlei Geräten und Waffen verar­beitet wird. Diese bilden einen sehr gesuchten und weit verbreiteten Handels­artikel, der erst neuerdings durch die europäischen Eisenwaren verdrängt wird.

Von großer Bedeutung ist dann in einzelnen Gegenden, namentlich dort, wo die Baumwolle gedeiht, das Spinnen und Weben. Die ein­heimische Baumwolle wird nach der Lese, so gut es die Schwarzen vermögen, gereinigt und gebleicht und danach von den Frauen in einfachster Art ver­sponnen. In einer Tonschale liegt der Vorrat für eine Arbeitszeit, die je nach Lust und Übung der Spinnerin, von sehr verschiedener Dauer ist. Aus dein Ballen greift die Frau ab und zu einen Bausch heraus uud steckt ihn an den Rocken, der mit der linken Hand gehalten wird. Die rechte Hand zieht den Faden aus und läßt ihn auf eine Spindel wirbeln. Hat diese ihre richtige Fülle gewonnen, so übernimmt sie der Blaun zum Haspeln. Der Haspel besteht aus einem gleicharmigen Holzkreuz, das sich um einen in die Erde gesteckten Holzstab dreht und an den vier Armen senkrechte Stöcke trägt, auf die das Garn gehaspelt wird. Beide Eheleute sitzen dabei auf ihren niedrigen Stühlen, die aus einem Unterbreite, zwei Füßen und dem geschweiften Oberbrette bestehen. Nun wird das Garn gefärbt, nämlich

Kolonial-Lesebuch. g