die Gummigewiunung dem Gutdünken des Eingeborenen, so schlägt er die Gummibäume einfach um und läßt ihren Saft auskaufen. Die zweckmäßige Art, die Rinde der Bäume an einzelnen Stellen sachgemäß anzuschneiden und den aus den Schnittwunden herausquellenden Gummi zu sammeln, ist ihm zu zeitraubend. Natürlich werden durch diese Raubwirtschaft die Gummibestände schwer geschädigt. Es fragt sich deshalb für die Regierung, ob sie jene dem Raubbau schonungslos preisgeben will, um eine kurze Zeit hindurch reiche Ausfuhr von Gummi aus Togo zu ermöglichen, oder ob sie ihn einschränken will, um eine gleichmäßigere, geregelte und dauernde Ausfuhr zu erzielen.
In der Kolonie Lagos hat man sich zu umfassenden Abwehrmaßregeln gegen die Raubwirtschaft entschlossen. Dort begann die Ausfuhr von Kautschuk im Jahre 1894. Nach vier Jahren hatte sie bereits einen Wert von fast 6 Millionen Mark erreicht. Da sich indessen dieser hohe Wert auf Raubbau gründete, erließ der Gouverneur Mac Greg or Vorschriften, durch die der Wert der Ausfuhr zwar auf kaum eine Million sank, aber eine Dauer derselben gewährleistet wird. In der Ölpalme, dem Mais, der Erdnuß und dem Kautschuk haben wir schon jetzt Ausfuhrwerte von Bedeutung. Meiner Überzeugung nach ist bei ihnen allen eine Steigerung der Ausbeute um ein Vielfaches des jetzigen Wertes möglich. Besonders müßte der Mais auch schon jetzt in den dazu überaus geeigneten, großen, bisher unbebauten Flächen der Lagunenniederung weit mehr angebaut werden, als es geschieht.
Außer dem großen Reichtum an pflanzlichen Erzeugnissen müssen noch die großen Rinderherden Togos erwähnt werden, die leider auch für die Ausfuhr bisher noch nicht in Frage kommen. An der Küste haben wir nur die kümmerlichen Anfänge einer Riudviehzucht zu verzeichnen; stattliche Herden weist aber die nördliche Hälfte Togos auf. Das Herrschen der Surrah- krankheit, gegen die wir bisher ohnmächtig sind, und das Fehlen einer Fortsetzung der Bahn bis nach dem Norden Togos hindern uns vorläufig noch, diesen Reichtum der Kolonie zu verwerten.
Nach Ludwig Külz, Blätter und Briefe eines Arztes.
9. Unsere ^ogoneger cils Uckerbciuer.
Wer in Togo weilt, wird bald erfahren, daß unsere Schwarzen recht fleißige und sorgsame Ackerbauer sind. Zwar haben sie keine landwirtschaftlichen Maschinen, selbst Egge und Pflug sind ihnen unbekannt. Sie arbeiten nur mit der Hacke. Deshalb müssen sie, namentlich bei Anlage neuer Felder, sehr tapfer zugreifen und unermüdlich schaffen, um den wilden Busch zu roden und die Erde für die Aussaat vorzubereiten. Ist das Gestrüpp gar zu dicht, so legt man Feuer daran und läßt es abbrennen. Die Asche gibt dann noch einen wertvollen Dünger ab. Mit Beginn der Regenzeit ist das Land so weit geklärt und gelockert, daß die erste Einsaat erfolgen kann. Diese wird im März und April dem Boden anvertraut, und zwar pflanzt man jetzt Bohnen, Erdnüsse und Erderbsen, süße Kartoffeln, Pfeffer und mehrere Sorten Zwiebeln. In der Ebene kommen noch Jams und Bkais hinzu, die beide nicht vor April ausgepflanzt werden. Die zweite Einsaat beschränkt