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Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
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Messer in der aufgehobenen Rechten. Zu ihren Füßen sind ferner an 20 andere Messer in den Boden gesteckt und zwar mit der Schneide nach der Wegseite hin. Fast auf der obersten Höhe des Gebirges liegt die ehedem be­rühmte und gefürchtete Priesterstadt, die früher kein Weißer betreten durfte. Jetzt ist sie durch eine Feuersbrnnst zerstört worden. Verschiedene Pfade führen zu dem heiligen Platze hinauf. Der bequemste Weg geht an der evangelischen Missionsstation vorüber, von der das Licht des Christentums unter den Heiden verbreitet wird. Etwa eine halbe Stunde über der Station trifft man auf den Götterstein, von dem die Priester folgende Fabel erzählen:

Vor vielen, vielen Jahren wanderte einst ein Gott aus der Ebene auf den Agu. Da er an das Bergsteigen nicht gewöhnt war, so wurde er bald müde und setzte sich auf diesen großen Stein, um auszuruhen. Als er sich wieder erhob, stützte er sich, um leichter aufzustehen, mit der rechten Hand anf den Stein, in dem man nachher die Hand mit ihren fünf Fingern ab­gedrückt fand. Dieser Abdruck ist noch heute zu sehen; die schlauen Priester haben ihn in den Stein gemeißelt, um das Volk glauben zu machen, der Gott sei wirklich zu ihnen hinaufgekommen und wohne jetzt bei ihnen. Ein Stück oberhalb des Steins trifft man anf die heilige Quelle, in der sich jeder heidnische Besucher zu waschen hat. Nach einer weiteren halben Stunde öffnet sich der dunkle Götterhain, worin viele kleine Quellen entspringen. Dahinter liegen die Ruinen der Priesterstadt.

Seit die Weißen am Agu erschienen sind, geht es mit der Macht und dem Einfluß der Heidcnpriester schnell zu Ende. Am Westfuße des Gebirges dehnen sich weite Baumwollenfelder aus, und die fest zusammengepreßten Ballen der weißen Flocken werden mit der nahen Eisenbahn schnell landab nach Lome geführt, wo die Schiffe das wertvolle Erzeugnis aufnehmen und nach Deutschland zur Verarbeitung bringen. Die Mission am Agu wirkt durch Kirche und Schule, Werkstattarbeit und stille Liebestätigkeit eifrig unter der dichten Bevölkerung und verbreitet christliches Leben, Bildung und Ge­sittung statt des früheren Heidentums mit seinem Betrug, Unfrieden und Haß.

K. Fies.

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Dank den tadellosen Straßen, die die deutsche Regierung in muster­gültiger Weise Planmäßig durch die ganze Kolonie hin anlegt, konnten wir, abgesehen von eigentlichen Gebirgsgegenden, unsere Reise größtenteils auf dem Fahrrad ausführen, was eine ungemeine Erleichterung und Kostenersparnis bedeutete. Auch unser Begleiter fuhr mit uns, obschon er erst etwa zehn Tage vor Antritt der Reise das Radfahren gelernt hatte. Unsere Träger brachen morgens in aller Frühe, gewöhnlich zwischen 2 und 3 Uhr, auf. Wenn der Tag zu grauen begann, schwangen wir uns auf die Rüder und holten die Vorausgegangenen bald ein. Gegen 9 Uhr vormittags wurde meist die Hitze schon so unerträglich, daß man weder fahren noch gehen konnte. Unter Bäumen, wenn es solche gab, oder im Schatten von Neger­hütten Pflegte sich unsere Karawane zur Mittagsrast zu sammeln; diese mußte wegen der Hitze oft bis gegen Abend ausgedehnt werden. Dann galt es