22
Endlich senkte sich die Sonne zur Neige und beleuchtete im Norden das auf der Anhöhe gelegene Dorf Dagbo. Die Ebene erweitert sich jetzt nach Norden, das weite sumpfige Gelände durchschneiden im langsamen Lauf die Gewässer des Haho. Seine Mündung bildet ein kleines Delta, dessen Inseln die Brutstätten zahlloser wilder Enten sind. Sobald man sich nähert, gehen ungeheure Schwärme auf und umkreisen hoch in den Lüften den See.
4. KültLNislcirlck.
Wir verlassen die Hauptstadt Lome und gehen an dem Strande entlang nach Anecho. Die Hängematte, in deren Herstellung die Eingeborenen sehr geschickt sind, ist bei dem tiefen Sande das einzige und beste Beförderungsmittel und wird allgemein von den Europäern, sei es von Kaufleuten, Beamten oder Missionaren, benutzt. Zum Schutze vor den brennenden Sonnenstrahlen und dem blendenden Sande ist über ihr ein sogenanntes Sonnensegel angebracht. Die Hängematte wird von vier kräftigen Schwarzen auf dem Kopfe getragen. Als Unterlage für den Kopf dient ihnen meist ein zusammengerolltes Tuch, welches sie bei Nacht als Schlafdecke benutzen. Diese Hängemattenträger sind vorzugsweise in Lome und Anecho gut zu haben. Nachdem man sich acht Träger, von denen immer vier abwechselnd tragen, gemietet und für Mann und Tag von Lome bis Anecho den hohen Lohn von 8 Mk. gezahlt hat, geht die Reise vorwärts.
Zumeist wählt man dazu die Zeit der Ebbe, um den festen Sand am Strande benutzen zu können. Nicht selten wird auch die Nacht zur Reise benutzt, weil es dann kühler ist und der grell leuchtende Sand und die spiegelnde Fläche des Meeres die Augen weniger angreifen. Im Geschwind- marsch der schwarzen Träger geht es zur Stadt hinaus, hart am Strande, so daß nicht selten die Füße der Träger von dem Meerwasser bespült wer- den. Der Strand bildet bei der Ebbe den besten Verbindungsweg zwischen den Küstenplätzen; denn durch die fortdauernde Brandung ist der hohe Dünensand festgepeitscht und gewährt so, abgesehen von der Feuchtigkeit, die unseren schwarzen unbeschnhten Trägern aber nicht schadet, einen ganz vorzüglichen Pfad. Bei guter Beschaffenheit des Weges schlagen die geübten Träger eine Gangart an, die einem Hundetrab nicht unähnlich ist, und halten diesen Schritt oft lange Strecken aus, bis die wiederkehrende Brandung ein langsameres Gehen gebietet. Zur Linken hat man die hoch abfallenden Dünen mit ihren unterwaschenen Höhlen; eine Windenart von spärlichem Wuchs überzieht den Boden. Weiterhin beginnt der niedrige Busch, der bald eine Höhe bis zu 2 ra erreicht und vollständig undurchdringlich wird. Er zieht sich in dieser Weise weiter an der Küste bis zur Lagune hin.
Nach einstündigem Marsche erreicht man eine kleine Fischerniederlassung. Hier wird eine kurze Rast gemacht, um den Trägern Gelegenheit zu geben, an dem Brunnen, der aus einem gegrabenen Loche besteht, mit dem brackigen Wasser ihren Durst zu löschen.
Überall am Strande sieht man Netze ausgebreitet; außerdem aber üben hier die Leute noch einen eigentümlichen Fischfang. Dicht am Strande ist ein Stock in den Sand gesteckt und daran, mit der Öffnung nach oben,