Print 
Bilder aus den deutschen Kolonien : Lesestücke / gesammelt u. bearb. i.A. der Deutschen Kolonialgesellschaft
Place and Date of Creation
Page
17
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

gegen Mittag vereinzelte Berggruppen vorgelagert sind, streicht es zunächst von Südwest nach Nordost. Sein äußeres Bild erinnert an den Thüringer Wald, den es auch an Gipfelhöhe kaum überragt. Später schlägt es eine fast nördliche Richtung ein, wird breit und massig und verliert sein grünes Kleid, das sich fortan in die Bach- und Flußtäler zurückzieht. Ehe das Ge­birge die Kolonie verläßt, tritt indes der kettenartige Bau von neuem hervor, und gleichzeitig steigert sich auch die Erhebung. Westlich der Höhenzone dehnt sich eine flache Niederung aus, die vom Volta und seinen Nebenflüssen durchströmt wird. Zur Regenzeit ist sie auf weite Strecken überschwemmt; in den trockenen Monaten dagegen erscheint sie als Steppe, wo flüchtige Anti- lopen grasen und Löwen nach Beute spüren.

Statt der friedlichen Ackerbauer Südtogos wohnen im Norden kriege­rische Bölker, die größere Staaten bilden, befestigte Städte haben und unter ihren Fürsten wohlgerüstete Scharen zu Fuß und Roß ins Feld zu stellen vermögen. Sie sind auch den Deutschen mit bewaffneter Hand entgegen­getreten, wurden aber besiegt und zur Ruhe gebracht. Seitdem erfreut sich Togo geordneter Zustände. Handel und Verkehr blühen auf, und Jahr um Jahr sendet uns die Kolonie ihre Produkte in steigender Menge zu, um dafür die Erzeugnisse unseres Gewerbefleißes immer reichlicher aufzunehmen, sich und dem Mutterlande zum Gedeihen. H. Seidel 1905.

2. Die liciguiiL von ^ogo.

Die Lagune Togos ist eine wichtige Lebensader für den ganzen Bezirk und für das ganze Schutzgebiet. Sie stellt das vielarmige Mündungsbecken dreier stattlicher Flüsse (Schio, Haho und Monu) dar, das aber auf deutschem Gebiete keine Verbindung mit dem Meere hat. Erst 6 Stunden ostwärts von hier, auf französischem Gebiete, steht einer ihrer Arme mit der See in Verbindung. Meilenweit erstrecken sich ihre anderen Arme ins Innere des Togolandes hinein, bald zu einem See erweitert, bald flußartig verengt mit tiefem Wasser. Nur in vereinzelten, schmalen Ausläufern, die sie hie und da ausschickt, und an denen ihr sonst hügeliges Ufer Flachland ist, bildet sie einen mit dichtem Gras und Schilf bewachsenen Sumpf. Je nach der Jahres­zeit wechselt der Wasserstand der zuströmenden Flüsse und der Lagune in er­heblichen Grenzen. Auf den leicht erhöhten Ufern reiht sich Dorf an Dorf, mit Tausenden von Einwohnern, die im lebhaften Marktverkehr untereinander stehen. Das fruchtbare Uferland wird als Ackerland von den Schwarzen mit den verschiedenartigsten Pflanzungen bebaut, namentlich mit Mais und ?)ams. Überall im Lagunengelände gedeiht die Olpalme, besonders gut in den wasserreichen Überschwemmungsgebieten. Die Lagune bietet ein buntes Bild regen Lebens. Zahlreiche Kähne, das Hauptbeförderungsmittel der Ein­geborenen für Personen und Güter im hiesigen Bezirke, bevölkern ihre Fläche. In allen Größen sind sie vorhanden, vom schmalen Einsitzer bis zum ge­räumigen Lastkahn, der Platz und Tragkraft für eine ganze Anzahl mit Palmöl gefüllter Tonnen bietet und nebenbei noch die ganze Familie be­herbergt, die in ihm kocht, ißt und schläft. Bisweilen sind sie, ähnlich unseren Lastwagen, zum Schutz gegen die Sonne oder Regen mit einem Dache über-

Uolonial-resebuch. I