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geeignet, die richtigen Leute fürs Land zu verpflichten. Alle Hochachtung vor deutschem Wissen und sonstiger Fähigkeit. Die Kolonialwirtschaft aber ist ein Teil allgemeiner Weltwirtschaft. Die Verhältnisse in den Kolonien sind von denen der Heimat so grundverschieden, daß auch der tüchtigste Wissenschaftler, wenn er nichts weiter als Europa und die deutschen Universitäten kennt, erst völlig umlernen muß, wenn er nach Afrika kommt. Auf alle Fälle wird es geboten sein, daß die Haupttabakproduzenten sich zu einem gemeinsamen Arbeiten in Genossenschaften einigen. Ob man im : Lande eine oder mehrere Tabakfabriken errichten müsse, an welche die einzelnen Produzenten ihre Produkte zu liefern haben würden, oder ob der einzelne seinen Tabak schon auf der Farm vorzubereiten hätte, ist heute noch schwer festzustellen; jedenfalls liegt es auf der Hand, daß eine gute Verwertung der Produkte nur erzielt werden kann, wenn ein gleichmäßiges und gleichwertiges Produkt auf den Markt gebracht wird.
Es bliebe noch einiges über allgemeine Bodenbestellung und Düngung der Tabakfelder zu sagen. Besonders liebt der Tabak gut abgelagerten Boden mit reichlichem Humusgehalt. Wenn auch der letztere bei uns fehlt, so merkt man doch jedesmal, daß der Tabak am besten auf gut bearbeitetem, jungfräulichen Boden steht. Mit der Düngung muß man sehr vorsichtig sein. Eine Düngung mit frischem Kraalmist erzeugt direkt schlechten Tabak. Entweder dünge man die Vorfrucht sehr stark oder, was entschieden am ratsamsten ist, man bereite für die zu düngenden Tabakfelder Kompost aus Pflanzenresten, Asche, Kraalmist und Boden. Ein Begießen der Pflanzen mit verdünnter Jauche ist ebenfalls sehr vorteilhaft.
Weinbau.
Der Weinstock hat schon seit den ältesten Zeiten durch den Saft seiner Früchte die Herzen und die Zungen der Menschen in allen Gegenden der Welt erfreut. Es ist kaum anzunehmen, daß die Nachfrage nach dem edlen Getränk, so lange die Sonne noch Trauben reifen läßt, eine geringere werden wird. Und da nun die Rebe in Südwestafrika vorzüglich gedeiht, so bin ich der festen Ansicht, daß ihre Kultur sich für das Land zu einer wirklichen Bedeutung emporbringen ließe. Sehr guten Wein kauft man bereits in Klein-Windhuk bei Jon Ludwig, der kürzlich sein 25 jähriges Ansiedelungs-Jubiläum
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