Landbau und Bodenkultur.
s ist schon verschiedentlich auch von mir die Ansicht vertreten und ausgesprochen, daß der Ackerbau für die Bedeutung der wirtschaftlichen Entwickelung der Kolonie erst in zweiter Linie in Betracht kommen darf. Ich möchte heute nach sechs Jahren, wo „Der Farmer in Deutsch-Südwest-Afrika“ zum zweitenmal erscheint, meine damalige Ansicht etwas berichtigen. Die letzten 6 Jahre sind nicht ohne Arbeit und neue Erfahrungen an den im Lande arbeitenden Menschen vorübergegangen. Erfolge und Mißerfolge haben in dieser Zeit Erfahrungen gezeitigt, auf Grund derer man sich eine Ansicht bilden kann.
Heute muß ich sagen, daß ich für gewisse Teile des Landes, besonders in den nördlichen und östlichen Bezirken, für die Zukunft in der Bodenkultur größere Erfolge sehe. Die vielfach sauren Gräser, die der natürliche Boden dort hervorbringt, sind kein erstklassiges Futter. Alles drängt in diesen Gegenden nach einer Bodenkultur, um die Verhältnisse zu verbessern. Ich bezweifle es nicht mehr, daß sich der Schwerpunkt der Entwickelung des Landes in jenen nördlichen Distrikten abspielen wird, wo heute zu viel Begen fällt, um eine natürliche, erstklassige Weide zu produzieren, aber doch auch nicht genug, um dem Plantagenbau sofort sichere Aussicht auf Erfolg zu bieten. Da ist es eben die Bodenkultur, die nach beiden Seiten Besserung schaffen kann und wird. Ich will meine Ansicht klar aussprechen. Ich glaube mit Bestimmtheit daran, daß in unseren nördlichen Distrikten, in denen mit einem Durchschnittsregenfall von 400 mm und mehr zu rechnen ist, bald ein lohnender Landbau entstehen wird, der zum mindesten den Bedarf des Landes deckt. Die
Sohlettwein, Der Farmer in Südwestafrika. 13