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Der Farmer in Deutsch-Südwest-Afrika : eine Darstellung sämtlicher für den afrikanischen Farmer in Betracht kommenden Erwerbszweige und ein Leitfaden für Anfänger / von Carl Schlettwein
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in den Boden eingesenkt, angelegt. Geradezu lächerlich ist es, wenn Neulinge im Lande, die sich erfahrene Gärtner dünken, allen Rat­schlägen zum Trotz ihre Gärten so anlegen, wie sie es in der Heimat gelernt haben, bis sie dann nach einigen Jahren durch Schaden klug gemacht zu dem übergehen, wie es die Landesverhältnisse als praktisch erwiesen haben. Die größten Feinde des Gartenbaues sind Raupen, Engerlinge und einige kleine Wespenarten, die die Feldfrüchte, wie Gurken, Melonen usw., anstechen und damit für die Ernte verderben. Außerdem hat sich in den letzten Jahren besonders im Norden der Kolonie eine große Grillenart so stark vermehrt, daß sie zur Land­plage zu werden droht. Ihrer Dickleibigkeit wegen werden diese D/a2 Zoll langen Tiere von der Bevölkerung allgemeinDikpens (Dickbauch) genannt. Sobald man nicht mehr mit Nachtfrösten zu rechnen hat, bestellt man deshalb schleunigst die vorgenannten gurken- und melonenartigen Früchte, damit sie möglichst vor Beginn der Regenzeit zur Reife kommen; denn mit dem ersten Regen und dem Beginn der Vegetation erscheinen auch alle jene tierischen Schädlinge mit Ausnahme derjenigen, die ständig vorhanden sind. Mäuse, Maul­würfe, Baumratten, Vögel, Engerlinge usw. gehören zu diesen ständigen Plagegeistern. Der Preis für frisches Gemüse schwankt im Lande augenblicklich sehr, kann jedoch mit 1520 Pfennig pro Pfund an­gegeben werden.

Kartoffelbau.

Seiner hohen Bedeutung wegen soll diesem Zweige des Gemüse­baues ein besonderes Kapitel gegeben werden. Die Kartoffel gedeiht schnell im Lande und besonders gut auf mildem, leichteren Boden. 80100 Zentner vom Morgen ist das Mittel einer Ernte. Es gibt im Lande manche Leute, die sich lediglich mit Kartoffelbau beschäftigen und damit vorzügliche Geschäfte machen. Der Preis für Kartoffeln schwankt im Innern des Landes zwischen 12 20 Mark pro 100 Pfund. Es ist natürlich anzunehmen, daß diese Preise bald sehr herunter­gehen werden, sodaß auch in der Kolonie die Kartoffel, die man heute vielfach ' noch als Delikatesse ansieht, bald allgemeines Volks­nahrungsmittel sein wird. Nach meinen Berechnungen betragen die Produktionskosten für Kartoffeln auf Rieselfeldern 78 Mark pro 100 Pfund. Zwei Ernten können mit Bestimmtheit gemacht werden.