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wachsen mit kurzer Vegetationsdauer auch drei. Eine größere Schwierigkeit bietet dem Landwirt häufig die natürliche Zusammensetzung des Bodens. Ich habe, wie schon früher gesagt, mit sehr bindigem Tonboden zu rechnen. Infolgedessen wurden kleine und sehr feine Sämereien derartig eingeschlämmt, daß sie nicht aufliefen. Meine Versuche, die Sache zu bessern, indem ich einen Morgen mit Kies übersandete, haben die besten Erfolge gehabt. Ich habe auf meinen Rieselfeldern (siehe Abb. 57) zwölf Ernten ohne Düngung gebaut, und die Erträge steigerten sich von Jahr zu Jahr. Da es für diesen oder jenen Leser doch interessant sein könnte, will ich die für den afrikanischen Ackerbauer in Betracht kommenden Kulturgewächse einzeln näher betrachten. Um aber nicht Angaben zu machen, die für die Allgemeinheit vielleicht nicht immer zutreffend sind, betone ich, daß alles, was ich jetzt mitteile, Erfahrungen sind, die ich in den letzten zehn Jahren lediglich auf meiner eigenen Farm gemacht habe. Ich habe eine stark fließende Quelle, die in 24 Stunden 400 Kubikmeter Wasser liefert und 15 Meter höher als das in unmittelbarer Nähe gelegene, vorzügliche Ackerland liegt. Der Boden sowie sämtliche Nebenumstände sind also für den Landbau so günstig wie nur möglich. (Abb. 59.) Bevor ich aber zu einer Besprechung der einzelnen Kulturgewächse übergehe, will ich noch Einiges über allgemeine Bodenkultur einschieben.
Allgemeine Bodenkultur.
Die Bearbeitung der Scholle, das Durchlüften und Wenden des Bodens ist für den Menschen besonders in einem Neulande die wichtigste und dankbarste Tätigkeit, um der Natur in ihrer Produktionsarbeit zur Hülfe zu kommen. Regenwürmer, Termiten und anderes Getier sind ständig an der Arbeit, um ein solches Durchwühlen und Andieluftbringen tieferer Bodenschichten zu bewirken. Die Natur hilft sich selber und gibt den Menschen praktische Winke, um sie zu unterstützen und den Boden für sie nutzbringender zu machen.
Die Bodenverhältnisse in Südwestafrika sind sehr verschieden. Große Landstrecken sind ihrer sterilen, unverwitterten Oberfläche wegen für jegliche Kulturarbeit ungeeignet. Man kann wohl sagen, 1 /b des ganzen Landes ist steriler Berg- und Felsboden. Eine zweite Bodenart ist der Alluvialboden, dessen Güte und Menge reich genug