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Der Farmer in Deutsch-Südwest-Afrika : eine Darstellung sämtlicher für den afrikanischen Farmer in Betracht kommenden Erwerbszweige und ein Leitfaden für Anfänger / von Carl Schlettwein
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bedingt zugegeben werden, daß das Kleinvieh gar manchen jungen Baum vernichtet. Um aber die klimatischen Verhältnisse Südwest­afrikas zu ändern, ja, unser subtropisches Land sofort in ein tropisches umzuwandeln, würde es nur ein allerdings unausführbares Mittel geben: das wäre die Ableitung der unmittelbar an der Südwestküste Afrikas fließenden kalten Meeresströmung. Diese Meeresströmung, der England, nachdem sie im Golf von Mexiko zu einer warmen ge­worden ist, sein herrliches Klima verdankt, ist nicht zu beseitigen und bleibt für die klimatischen Verhältnisse unseres Landes das Maßgebende.

Ich bin denn doch dafür, wir behalten unser Kleinvieh und machen es zur Grundlage einer gesunden wirtschaftlichen Ent­wickelung der Kolonie.

4. Straußenzucht.

In diesem Zweige der südafrikanischen Tierzucht haben wir auch für den südwestafrikanischen Farmer eine lohnende Tätigkeit. Soll eine Straußenzucht für die Zukunft lohnende Aussichten eröffnen, so muß man vor allen Dingen eine Farm haben, die all den An­forderungen entspricht, die von einer Straußenzucht nicht zu trennen sind. Weite Flächen, auf denen verschiedene krautartige Pflanzen wachsen, sind der Lieblingsaufenthalt des Straußes. Dann dürfen salzhaltige Büsche nicht fehlen; denn auch diese sind für das Gedeihen der Vögel durchaus unentbehrlich. Der Vogel ist ja bekanntlich in Afrika in wildem Zustande zu Hause. Rudel von 4050 Stück, die man in den verschiedensten Gegenden des Landes antrifft, sind keine große Seltenheit. Besonders in den letzten Jahren ist der Strauß in Südwestafrika durch ein strenges Jagdschongesetz geschützt gewesen, und man kann infolgedessen eine wesentliche Vermehrung der wilden Strauße beobachten. Ebenso wie gewissen großen Antilopenarten würde ohne solches Eingreifen der Gesetzgebung dem Strauß bald sein Ende bereitet sein. In rücksichtslosester Weise wurden die Tiere früher von Eingeborenen und Weißen gejagt, bald zu Pferde, bald zu Fuß. Es ist in früheren Zeiten nichts Seltenes gewesen, daß ein geübter Straußenjäger in der besten Zeit, wo die Federn gute Preise bringen, seine 4050 Strauße erlegte. Wenn auch in einer solchen Jagd­saison von einem Jäger oft drei bis vier Pferde zu Tode geritten