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Der Farmer in Deutsch-Südwest-Afrika : eine Darstellung sämtlicher für den afrikanischen Farmer in Betracht kommenden Erwerbszweige und ein Leitfaden für Anfänger / von Carl Schlettwein
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und mit Kopf schütteln habe ich gehört, daß auch der Leiter des Gestüts Nauchas nach einer Dienstperiode bereits wieder geht. Warum geht dieser Mann? Und warum ist schon so mancher tüchtige Fach­sachverständige gegangen? Doch wohl lediglich aus persönlichen Gründen, weil man anderswo bessere Aussichten hat und besser ge­stellt ist. Damit komme ich zu dem springenden Punkt, den ich schon gestern streifte. Es sollte bei Besetzung verantwortlicher Posten nicht immer heißen:Was ist der Mann? sondern:Wie ist er? Aus grundsätzlichen Bedenken unserer heimischen Bürokratie ist es unmöglich, einem Beamten, der aus niederer Rangklasse kommt, das verdiente höhere Gehalt zu geben. In diesen tatsächlich vorliegenden Grundanschauungen liegt ein großes Hemmnis für unsere weitere Entwickelung. Deshalb muß sich unser Kampf gegen dieses System richten und gegen die grundsätzliche Anschauung, den Beamten nach Rang und Gehaltsklassen, nicht aber nach Fähigkeit und Leistung zu behandeln.

Die heutige Neugestaltung des Veterinärwesens läßt allem An­schein nach das Beste für die Zukunft erhoffen. Erfolgt der weitere Ausbau des Institutes in Gammams prompt und ohne die üble Spar­samkeitspolitik, so haben wir alle Aussicht, durch diese hochwichtige Arbeit und wissenschaftliche Forschung auch einmal unabhängig von Südafrika zu werden. Es wäre sehr wünschenswert, wenn die deutsche Wissenschaft, die in der Welt eine führende Stellung einnimmt, bald in der Lage wäre, auf deutschem Boden rein deutsche Arbeit für Af rika, zu leisten. Den richtigen Mann scheint man in Dr. Sieber ge­funden zu haben. Gibt man ihm nur die absolut notwendige Selb­ständigkeit und knausert nicht mit dem Gelde, so werden auch die Erfolge nicht ausbleiben. Unbedingte Trennung des Institutes von der tierärztlichen Praxis ist aber die Grundforderung für das Gedeihen beider. -

2. Pferdezucht.

Obwohl in Deutschsüdwestafrika von einer eigentlichen Pferde­zucht bis jetzt wohl kaum die Rede sein kann, so darf man sich doch der Hoffnung hingeben, daß sich eine solche mit der Zeit mehr und mehr entwickeln wird, und daß die Kolonie trotz des bisherigen großen, fast unüberwindlich scheinenden Hindernisses der Pferde-