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Togo, die Aufrichtung der deutschen Schutzherrschaft und die Erschließung des Landes / von Georg Trierenberg
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20 Erster Teil. Überblick über die Geschichte des Schutzgebiets.

Die poli­tische und handelspoli­tische Lage im Hinter­lande.

B, Die Zeit der tatsächlichen Besetzung.

Die Station Kete-Kratschi hatte im April 1895 für den auf Urlaub gehenden Oberleutnant v. Doering der Oberleutnant Graf Zech auf Neuhofen übernommen. Unter seiner Leitung war diese Station schnell aufgeblüht und begann jetzt den infolge der inneren Unruhen im Niedergange begriffenen Handel in Salaga aufzu­nehmen, wodurch der bedeutende Sudanhandel auf deutsches Ge­biet gelenkt wurde. Von Kete aus führten zwei bedeutende Han­delswege ins Innere. Der eine, östliche Weg, die sogenannte Ko- tokoli-Route, führte durch Tschaudjo über Sugu und Borgu nach den mächtigen Haussastaaten. Der zweite, westliche Weg, war die Jendi-Route, von welcher eine Karawanenstraße in das reiche Mossigebiet und ein Weg über Sansane-Mangu und Gurma nach dem wichtigen Gando führte. Die Jendi-Route bildete damals den einzigen Zugang zu der Anfang 1896 angelegten Station Sansane- Mangu. Auf den genannten, politisch wie kommerziell wichtigen Sudanländern beruhte der Salagahandel, und der ihn ab­lösende Handel in Kete. Graf Zech hatte sich deshalb von Anfang an bemüht, mit den Häuptlingen der vorerwähnten Länder in freundschaftliche Beziehungen zu treten und den Verkehr auf den erwähnten Handelsstraßen nach Möglichkeit zu fördern.

Die politischen Beziehungen Deutschlands und Englands, so­wie die beiderseitigen Rechtsverhältnisse in dem nördlich von Kete-Kratschi in der sogenannten neutralen Zone gelegenen Da- gombareiche mit dem Hauptsitz Jendi und dem Gondjareiche mit dem Hauptsitz Kpembi und dem einstigen Handelszentrum Salaga sind bereits eingehend erörtert worden (S. 3 bis 5). Die innerpoliti­schen Verhältnisse in der neutralen Zone waren außerordentlich verwirrt. An der Spitze des Dagombareiches stand der einfluß­reiche, angesehene, aber alte und blinde Oberhäuptling Adami, welcher nicht mehr imstande war, die Zügel der Regierung so straff zu führen, wie es der Charakter seines Volkes erheischte. Die zahlreichen Verwandten des Herrscherhauses führten ein Räuberleben, welches eine allgemeine Unsicherheit im Lande her­vorrief, An diesen Zuständen hatte daher das dem Oberleutnant v. Carnap von Adami gegebene Versprechen, für die Sicherheit der durch Dagomba führenden Handelsstraßen zu sorgen, auf die