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78. Was ein Mitkämpfer von der Erstürmung der Naukluft im Jahre 1894 erzählt.
Die Stunde der Entscheidung naht. Am l Ahr nachts tritt die dritte Kompagnie im Lager an. Waffenklirren, unterdrücktes Sprechen, die Glieder ordnen sich; da kommt der Major Leutwein. Ein Lände- druck noch, ein ernstes „Auf Wiedersehen!" und fort geht es in die Nacht hinaus. Ein schwerer Marsch in der Dunkelheit; lautlos eilt die Kolonne vorwärts, der Spitze nach, die Leutnant Lampe führt. Ab und zu hört man einen dumpfen Fall und einen leisen Fluch, wenn wieder einer der Leute über einen Stein oder Baumstamm gefallen ist. Die Nacht ist stockdunkel, der Boden mit Felstrümmern und spitzen Steinen bedeckt. Endlich, um 5 Ahr morgens, sind wir an der Felsschlucht, und der Aufstieg beginnt. Mit umgehängtem Gewehr wird geklettert; oft sind die Abstürze so hoch und steil, daß einer auf des anderen Schulter steigen muß, um den nächsten Absatz zu erreichen; der letzte wird dann an Gewehrriemen heraufgezogen.
Die Feder vermag diesen Aufstieg nicht zu schildern, so unbeschreiblich und furchtbar waren die Anstrengungen, welche die Kolonne hier zu überwinden hatte. Oft hatte man sich verstiegen, und eine himmelhohe Felswand hinderte das weitere Bordringen; es mußte umgekehrt und ein anderer Weg gesucht werden. Nach vier Stunden ist die Lohe erreicht. Todmüde, mit zerrissenen Kleidern und zerfetzten Länden, sammelt sich die Kompagnie. Wütender Durst plagt alle; längst sind alle Feldflaschen geleert. Perbandt, unser Anführer, befiehlt eine halbe Stunde Ruhe, die dringend nötig, aber ebenso peinvoll ist; denn schon seit einer Stunde dringen Kanonendonner und Kleingewehrfeuer von Norden her zu uns herauf. Dort sollten wir jetzt unseren stürmenden Kameraden helfen. Vorwärts! Feldwebel Zachalowsky wird links mit einer starken Patrouille vorgeschickt; wir treten wieder an, und in ununterbrochenem Marsche geht es vorwärts, über steile Löhen und durch dunkle Schluchten, bergauf, bergab.
Glühend sind die Luft und der Erdboden, der die Strahlen der Sonne zurückwirft. Mechanisch setzen die Leute Fuß vor Fuß, der Atem geht keuchend, man ist wie in Schweiß gebadet. Aber vorwärts! Einer ermuntert den anderen, viele tragen zwei Gewehre,