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Deutsch-Südwestafrika : Land und Leute ; eine Heimatkunde für Deutschlands Jugend und Volk / hrsg. von Bernhard Voigt
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Wie wunderbar war mir der Gedanke, in Deutschland zu sein und nur deutsche Worte zu hören! Bei der Schulprüfung zeigte es sich, daß ich in den meisten Fächern meinen Altersgenossen weit voraus war. Für nichts konnte ich mich mehr begeistern als für Kaiser Wilhelms Soldaten. Ich wollte oft den Kaiser besuchen, ihm die Verhältnisse in Afrika schildern und ihn bitten, einige hundert Soldaten mit Kanonen nach Damaraland zu schicken. Dann wäre der Ninderstehlerkrieg bald beendet worden.

Wie vollkommen doch alles in Deutschland war, bewiesen mir am besten die Postkästen. Nein, war das wunderbar! Einem solchen Kasten konnte man ohne weiteres auch die Briefe für Otjimbingwe anvertrauen! Ich schrieb infolgedessen, so viel ich konnte. Wenn ich meinem Vater eine besondere Freude machen wollte, schrieb ich ihm einen englischen Brief, um meine Fortschritte in dieser Sprache zu zeigen. Meinen Geschwistern schrieb ich oft in der Namasprache. Diesem Amstande habe ich es zu verdanken, daß ich diese Sprache trotz meines fünfzehnjährigen Aufenthaltes in Deutschland nicht ver­lernt habe.

Nichts kränkte mich in Deutschland mehr, als wenn ich bei polizeilichen Anmeldungen nach meiner Nationalität gefragt wurde. Es war mir doch selbstverständlich, daß ich nur ein Deutscher sein konnte. Man machte mir aber immer wieder klar, daß dies nicht der Fall war. Mein Vater weilte schon über zehn Jahre im Ausland und hatte infolgedessen seine Staatsangehörigkeit verloren. Ich sollte daher ein anderes Volk angeben, zu dem ich gehörte. Als ich das nicht konnte, wurde einmal der Beamte recht ärgerlich und sagte: Na, irgend jemandem aus der Welt muß doch das Damaraland gehören!" Als ich darauf erwiderte, daß es den Damaras gehörte, sagte er:Dann bist du eben ein Damara." Redeker.

73. Ein Besuch Windhuks im Jahre 1885.

Zur Mittagsstunde erreichten wir Groß-Windhuk, eine nicht unbedeutende heiße Schwefelquelle, in deren Nähe, hinter einem kleinen Lüge! versteckt, die Ruinen der Missionsstation Klein-Wind- huk liegen.

Zur Zeit, da noch der mächtige Ionker mit seiner übermütigen Bande in diesem Gebiete hauste, war in Windhuk reges, lautes