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Deutsch-Südwestafrika : Land und Leute ; eine Heimatkunde für Deutschlands Jugend und Volk / hrsg. von Bernhard Voigt
Entstehung
Seite
82
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72. Südwestafrikanische Iugenderinnerungen.

Wie ganz anders sieht es doch heute hier in unserem Slldwestafrika aus und wieviel schneller und bequemer macht man jetzt eine Reise nach einem europäischen Lasen! Ich denke dabei 32 Jahre zurück, da ich noch als zehnjähriger Knabe in Otjimbingwe, meinem Ge­burtsorte, lebte und kurz nach dem Tode meiner Mutter die Reise nach Deutschland antreten mußte. Bis dahin hatte ich dank der Liebenswürdigkeit der damals in Otjimbingwe wohnenden Missionare Gelegenheit gehabt, mit noch drei Knaben und zwei Mädchen in bester Weise deutsch unterrichtet zu werden. Einer der Missionare hatte es sogar unternommen, uns Knaben im Geigenspiel zu unterweisen, und eine Missionarsfrau scheute keine Mühe, uns das Harmoniumspiel beizubringen. Der Musikunterricht machte uns besonderes Vergnügen. Wie ich später erfahren habe, soll es auch gar nicht so übel geklungen haben, wenn wir Jungen ein Geigenstück vierstimmig vortrugen oder eines der anderen Kinder zum Geburtstag eines Angehörigen einen Choral auf dem Harmonium spielte.

Außerhalb der Schulzeit waren wir Knaben meist den Ein­geborenen überlassen. Von ihnen lernten wir sehr bald die Nama- und die Hererosprache, auch das Stellen der Fallen, das Schießen mit Pfeil und Bogen und dergleichen mehr. Leider mußte ich mich zu oft im schönsten Spiel von meinen Kameraden trennen, da ich bei meinem Vater noch englischen Unterricht hatte.

Damals stand das Nama- und das Hereroland noch nicht unter der deutschen Herrschaft. Der alte Hererohäuptling Maharero lebte in andauerndem Kriege mit dem Namahäuptling Hendrik Witbooi. Mehrere Missionarsfamilien waren daher nach Otjimbingwe ge­flüchtet und mußten sich dort längere Zeit aufhalten. Ich schrieb damals an meine Verwandten in Deutschland über die Zustände in unserem Lande folgenden Brief:

Otjimbingwe, den 21. Juli 1881.

Lieber Karl!

Mit dieser Post will ich Dir mal schreiben. Obwohl ich Dich noch nicht kenne, so weiß ich doch, daß Du mein Vetter bist. Erst will ich Dich fragen, wie es Dir geht. Ans allen geht es noch sehr gut. Dann will ich Dir von dem Krieg erzählen. Vielleicht hast Du schon gehört, daß hier im Lande Krieg ist. Es ist das aber kein