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Deutsch-Südwestafrika : Land und Leute ; eine Heimatkunde für Deutschlands Jugend und Volk / hrsg. von Bernhard Voigt
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65. Spuren einer alten Kultur.

In der Nähe von Ghaub, südlich von Tsumeb, liegt die Wasser­stelle Nobis, ein 300 Meter langes Nivier, das aus einem höher gelegenen Sammelbecken zur Regenzeit gespeist wird. Das abstürzende Wasser hat im Humusboden üppigen, meterhohen Pflanzenwuchs erzeugt. In diesem Nivier und östlich davon findet man 200300 ins harte Gestein eingeschnittene Wildspuren, die so angeordnet sind, daß man anfangs glaubt, das Wild habe sie in weichen Fels ge­treten. An Spuren treten auf Böcke, Ducker, Gnu, Eland, Zebra, Büffel, Nashorn, Leopard, etwa vierzig verschiedene Tiere, ferner zwei Menschenspuren von ausfallender Zierlichkeit, die noch heute ein Rassenmerkmal der Buschleute ist.

Man hält die Spuren für Buschmannskunst. Die meisten der 35 Millimeter tief eingehauenen Spuren befinden sich unmittelbar am Rivierwasser, wo also die Künstler am Wasser und im Schatten der Felsen und der hohen Bäume ihrer Kunst nachgingen.

Diese Zeichnungen sind wohl das älteste kulturgeschichtliche Denkmal unserer Kolonie. Sie zeigen, daß die damaligen Siedler der Dtaviberge auf wesentlich höherer Kulturstufe standen, als unsere heutigen Eingeborenen. Über Alter und Zweck der Darstellungen läßt sich schwer etwas sagen. Von den jetzt dort lebenden Eingeborenen (Buschleuten, Bergdamara und Hottentotten) hat keiner eine Erinnerung an diese Zeichnungen; die meisten wissen nicht einmal ihr Vorkommen. Nordwestlich von dieser Stelle sollen noch mehr dieser Spuren sein.

Flaskamp (im Kolonialblatk).

66. Buschmannzeichnungen.

Über ganz Afrika verstreut, auch an mehreren Stellen in unserem Lande, finden sich die sogenannten Buschmannzeichnungen (siehe Tafel 20), meist in Gebirgen mit glatten Felswänden. Sie stellen Szenen aus dem Tier- und Menschenleben dar, die zum Teil recht naturwahr sind. Einige Zeichnungen sind in Felsen eingemeißelt, andere sind farbig ausgeführt. Manche Forscher legen diesen Zeichnungen ein Alter von vielen tausend Jahren bei, andere behaupten, daß sie viel­leicht nur einige hundert Jahre alt sein mögen. Für die einen sind sie ein Beweis, daß die Buschmannraffe wohl die älteste menschliche Nasse ist, und daß sie, nach den Spuren zu schließen, sich in vor-