Viel gefährlicher als der Speer ist in der .Hand des .Herero der Kirn, ein kurzer Stock aus hartem .Holze mit faustgroßem Kopfstück, den der Eingeborene stets bei sich führt. Er ist im Werfen desselben so geübt, daß er nur selten einen auffliegenden Vogel oder eine aufgeschreckte Antilope verfehlt. Schon mehr als einmal hat der Kirn den Ausschlag im Kampfe gegeben; von kräftiger Äand geschleudert, zerschmettert er unfehlbar den Schädel des Getroffenen. Die .Herero bedienen sich niemals des Schildes, obgleich ihnen dessen Gebrauch nicht unbekannt geblieben ist. Früher mögen sie wohl allgemein Bogen und Pfeil geführt haben, die aber seit der Einfuhr von Gewehren nur noch in den Äänden von Kindern und armen Viehhirten gesehen werden. Die Pfeile sind stets unvergiftet.
Schinz, Südwestafrika.
6V. Leben der Feldherero in der Gegenwart.
Die noch freien .Herero, die meist entlaufene Arbeiter und entflohene Gefangene sind, leben im Sandfelde, wie früher die armen Ovatjimba. Sie sind aus einem .Hirtenvolk ein Jäger- und Sammlervolk geworden, haben also in ihrer Entwicklung einen Schritt rückwärts getan.
Ihre Werften errichten sie 5—6 Kilometer von den Wasserstellen. Diese Gewohnheit werden sie aus der Zeit beibehalten haben, als noch viel großes Naubwild im Lande war, welches nachts an die Wasserstellen kam. Angelegt werden die Werften stets in den fast undurchdringlichen Äakkiesbüschen, in welche die Bewohner beim Nahen einer Gefahr fliehen, ohne daß es möglich ist, ihnen mit Pferden zu folgen, und zu Fuß sind sie natürlich in dem ihnen vertrauten Gelände erst recht nicht einzuholen. Werden die Eingeborenen beunruhigt, so bauen sie ihre Pontoks nur aus Zweigen und Rinde im dichten Busch. An einer solchen Behausung kann man auf einige Schritte Entfernung vorbeireiten, ohne sie zu bemerken, so wenig heben sie sich von ihrer LImgebung ab.
Die Sorge für den Lebensunterhalt ist so verteilt, daß das Wasserholen und das Sammeln der Feldkost Sache der Weiber und Kinder ist, während die Männer die Jagd ausüben. Sind nicht genügend Blechgefäße vorhanden, so wird das Wasser in Schläuchen von (rckeinbockfell oder in Straußeneiern von den entfernten Wasser-