30
Sterne stand das Kreuz, das Wahrzeichen unseres Christenglaubens, in ruhiger Klarheit. Es war fast taghell; man hätte lesen können. Der Lichtschein tanzte auf dem dunklen Laubwerk der Baumgruppen, die der Wind sanft schüttelte, so daß ein seltsames Rauschen begann.
Im Lichtkreis des zweiten aufflackernden Feuers hantierten die Schwarzen. Wiederum trat die Eigenart der Bergdamara, Frohsinn und Sorglosigkeit, hervor (siehe Tafel I I). Werfen sie sich auch noch so müde nach der schweren Arbeit des Wagentreibens am Feuer nieder, wenn der Kaffee geschlürft ist, vergessen sie alle Sorge und Mühe und plaudern lustig darauf los. Jedes Ereignis wird besprochen; noch hinterher ergötzen sie sich darüber und lachen stundenlang über eine unbedeutende Begebenheit.
Lier am Lagerfeuer erhellte der Widerschein die dunkle Farbe unserer Wagenleute. Es entfaltete sich ein Bild größten Behagens. Zumzip rührte stumm den Mehlpapp und schürte das Feuer, dessen Funken sprühten, wenn neue Reiser hineingeworfen wurden. Ionas hob ab und zu den Deckel vom Wasserkessel; er wollte sich überzeugen, ob der Kaffee bald fertig wäre. Fredrik, der meist stillvergnügt lächelte, drehte die kreischende Kaffeemühle, deren Klang einen erfrischenden Trank verhieß. Jonas machte den Aufguß, setzte das herrlich duftende Gebräu vor uns hin und begab sich wieder still an sein Feuer, um nochmals eine Portion Kaffee zuzubereiten. Daneben schnarchte Leo, alle Viere von sich gestreckt. Er hatte seinen Mehlpapp bewältigt und bedurfte anscheinend der Ruhe.
Karow, Wo sonst der Fuß des Kriegers trat.
28. Eine deutsche Schule auf dem Tafelberge.
Es war ein köstlicher Lerbstmorgen in der Osterwoche, als sich vor dem deutschen Pfarrhaus in Wynberg bei Kapstadt die Knaben und Mädchen der deutschen Schule mit ihren Lehrern und Lehrerinnen, dem Pastor und einigen anderen Erwachsenen marschbereit und wander- froh versammelten. Sorgsam musterten wir unser Ziel, den Tafelberg. Dicht vor uns stand der trotzige Riese, seinen Fuß in Wäldern versteckend. Just schmückten die ersten Morgenstrahlen der hinter der Leide aufglänzenden Sonne sein wildes Laupt mit einer Krone von funkelndem Golde, und bald glitt das Licht den graubraunen Leib des Necken hinab. Wird uns die Sonne treu bleiben? so fragte