29
1
25. Der Sterne Deutung.
Der Vater mit dem Sohn ist über Feld gegangen,
Sie können, nachtverirrt, die Heimat nicht erlangen.
Nach jedem Felsen blickt der Sohn, nach jedem Baum,
Wegweiser ihm zu sein im wcglos dunklen Raum.
Der Vater aber blickt indessen nach den Sternen,
Als ob der Erde Weg er wollt' am Himmel lernen.
Die Felsen blieben stumm, die Bäume sagten nichts;
Die Sterne deuteten mit ihrem Streifen Nichts.
Zur .Heimat deuten sie; wohl dem, der traut den Sternen!
Den Weg der Erde kann man nur am .Himmel lernen.
Friedrich Rückert.
26. Die Predigt der Sterne.
Das erste Sternbild steht schon eine Weile am .Himmel. Es ist das Südliche Kreuz. In mattem Glänze geht es auf, als erstes tritt es am Abendhimmel hervor. Nach wenigen Stunden flimmert und leuchtet der südliche Sternhimmel in ganzer Pracht. Auch das Kreuz hat sehr an Helligkeit gewonnen und strahlt als ein flammender Ehristengruß vom Himmel hernieder, als wenn es den Deutschen dort unten sagen wollte: Siehe, ich bin auch hier und geleite euch bis in die fernste Wildnis, bis an das Ende der Erde. Das Kreuz ist ja die kürzeste Predigt des Christentums, sicherlich auch, wenn es hier im fernen stände vom Abendhimmel herabschaut.
Schmidt, Aus unserem Kriegsleben in Deutsch-Südwestafrika.
27. Am Lagerfeuer.
Wir saßen ziemlich dicht am hellodernden Feuer. Jeder versuchte etwas zu schlafen. Ich brachte es nicht fertig; ich lauschte auf die Sprache der Natur, die den geheimnisvollen Reiz der Wildnis, den fesselnden Zauber einer afrikanischen Nacht verkündete. Der Mond erschien am fernen, tiefblauen Horizont. Ein Stern nach dem andern, glitzernden Diamanten gleichend, tauchte auf, bis das Firmament in seiner ganzen Pracht erstrahlte. Inmitten dieser