27
24. Der Sternhimmel in Südwest.
Die Anzahl der Himmelskörper am nördlichen und am südlichen Sternhimmel ist ungefähr gleich. Von elf Sternen erster Größe gehören fünf dem nördlichen, sechs dem südlichen Sternhimmel an, während sich von 861 Sternen erster bis sechster Größe 436 auf die nördliche und 42ö auf die südliche Halbkugel verteilen.
Die südliche Hälfte hat jedoch weniger hervortretende Sternbilder. Zu den am meisten ins Auge fallenden gehören Zentaur, Skorpion und das Südliche Kreuz. Wer das Kreuz des Südens zum erstenmal erblickt, wird sich einer Enttäuschung nicht erwehren können. In allen Seegeschichten ist davon zu lesen, aber allzu großen Erwartungen kann es nicht entsprechen. Bei längerer Bekanntschaft wird man es liebgewinnen. Der nach Süden gewendete Blick des Beschauers trifft die vier Sterne des Kreuzes, die stets in bequemer Augenhöhe stehen. Verlängert man die lange Diagonale viereinhalbmal, so kommt man ungefähr auf den Südpol, während der Nordpol durch den Polarstern (n im Kleinen Bären) trefflich gekennzeichnet wird. Neben dem Kreuz des Südens stehen zwei auffallende Sterne erster Größe, nämlich « und /S im Zentauren, der das Kreuz von drei Seiten umschließt. Sie können dazu dienen, das Kreuz leichter zu finden. Verbindet man diese beiden Sterne durch eine Linie, so trifft sie in ihrer Verlängerung die kleine Diagonale des Kreuzes, das dicht neben einem dunklen Fleck in der Milchstraße steht. Der Stern a im Zentauren ist übrigens der uns am nächsten gelegene Fixstern und in Europa unsichtbar. Das Licht, das mit einer Geschwindigkeit von 300000 Kilometer in der Sekunde durch den Äther eilt und in acht Minuten von der Sonne zu uns dringt, braucht dreieinhalb Jahre, um von diesem Fixsterne zu uns zu gelangen. Das Kreuz kann als Stundenzeiger einer großen Llhr aufgefaßt werden, der sich in 24 Stunden einmal um den Südpol dreht, und zwar in der Richtung des Ahrzeigers, während der Große Bär entgegen der Richtung des Uhrzeigers um den Nordpol kreist. Der Anterschied ist leicht ersichtlich, wenn man bedenkt, daß zwar alle Sterne sich scheinbar von Osten nach Westen bewegen, daß aber das Gesicht des Beobachters einmal nach Norden, das andere Mal nach Süden gerichtet ist. Natürlich sieht man auf der südlichen Halbkugel zeitweise auch Sternbilder, die dem nördlichen Himmel angehören; sie steigen aber nicht