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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
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Fünfzehntes Kapitel. Die übrigen aussereuropäischen Länder.

als Feldpflanze. Wo dies in grossem Umfange geschieht, handelt es sich um eine Abart, die Todaro als G. neglectum bezeichnet. Diese, aus­gezeichnet durch gelbe Blüten und tief ausgeschnittene Blätter, wird z. B. auf den Garo-Bergen und von dem Stamm der Santal angebaut. Nach Rev. A. Campbell giebt es hier zwei Spielarten, die als Bhoga kuskom und Budi kaskom unterschieden werden; die letztere, vornehmlich in Gärten gezogen, blüht im November und giebt einen reicheren Ertrag als erstere, verlangt aber auch einen besseren Boden. Die Bhogabaum- wolle, hauptsächlich bei Manbhum gebaut, wird im Juni bis Juli gesät und, im Oktober blühend, erreicht sie eine Höhe von bestenfalls 130 cm. Auch die in manchen Teilen des Himalaya vorkommende Pflanze, die in Kumaon und Garwahl bis zu 1600 m Seehöhe steigt, gehört wahrscheinlich der Gattung G. neglectum an. Über G. arboreum vgl. auch S. 57.

2. Umfang und Verbreitung des Baumwollbaues.

Wie früher bemerkt, hat der Baumwollbau in Indien in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bedeutende Veränderungen erfahren. Während die Anbaufläche in den siebziger Jahren 10,46 Mill. Acres aus­machte, stieg sie in der ersten Hälfte der Achtziger auf 12,41, in der zweiten auf 15,27 Mill. Acres. Die äusserste Höhe erreichte sie im Jahre 1891/1892 mit 17,86 Mill. Acres = 71440 qkm, dann sank sie wieder und machte im Mittel der Jahre 1892/1893 bis 1896/1897 16,06 Mill. Acres = 64240 qkm aus. Auch von da ging sie weiter zurück; sie betrug 1898/1899 14,12, 1890/1900 12,82, 1900/1901 aber wieder 15,36 Millionen Acres.

In noch stärkeren Gegensätzen bewegte sich die Ertragsmenge; in dem Zeiträume von 1874 bis 1900 schwankte sie im allgemeinen zwischen 947000 (1898/1899) und 3350000 (1889/1890) Ballen zu 400 Pfd. Brutto. Als normale Ertragsmenge sieht man den Betrag von 2772000 Ballen an, das Jahr 1899/1900 ergab 2613000, 1900/1901 3300000 Ballen.

Der Grund für die geringe Zunahme der indischen Baumwollkultur ist in erster Linie darin zu suchen, dass dieselbe von kleinen, eingeborenen Grundbesitzern betrieben wird, die nur selten den Drang besitzen, ihr Arbeitsfeld zu vergrössern und ihren Arbeitsverdienst zu vermehren. Ein Grossbetrieb weisser Pflanzer kann aber gegen diese eingeborenen Pro­duzenten nicht aufkommen, wegen der Höhe der Unkosten, namentlich der Arbeitslöhne, da die kleinen Grundbesitzer und Baumwollbauer über-