Die Verarbeitung der Baumwolle. 255
Zu den geköperten und croisierten Geweben, bei denen auf der einen Seite des Schusses mehr Kettenfäden als auf der andern liegen, gehören Köper, Croise, Drell, Satin, Atlas, Barchent u. a.
Gemusterte Gewebe, bei denen die Bindungslinien in Breite, Richtung und Farbe wechseln, sodass z. B. geometrische Figuren oder Blumen entstehen, sind Dimity, Wallis, Damast und Pique.
Samtartige Gewebe bestehen aus einem schlichten oder geköperten Grundgewebe, auf dem eine haarartige Decke (Flor, Pole) angebracht ist. Man unterscheidet echten und unechten Samt (Manchester), dessen Flor aus Baumwolle besteht, während er bei den echten aus Seide ist.
Was die Haupthandelsgattungen der Ganzfabrikate anbelangt, so unterscheidet die englische Statistik Stückgüter (piece goods) mit Einschluss von Taschentüchern und Shwals entweder ungebleicht (unbleached, gray), oder gebleicht (bleached, white), oder gefärbt (dyed or of dyed garns), oder bedruckt (printed), ferner Spitzen und Patentmaschinengewebe (lace and patent net), Unterzeug (hosiery, stockings and socks and other kinds) und andere Waren (other manufactures).
Die Statistik des Deutschen Reiches kennt neun Hauptgattungen von Baumwoll- waren; diese sind: 1. dichte, rohe Gewebe, 2. dichte Gewebe, gebleicht, auch appretiert, 3. dichte Gewebe, gefärbt, bedruckt u. s. w., 4. Posamentier- und Knopfmacherwaren, 5. aufgeschnittener Samt, 6. Spitzen und Stickereien, 7. Strumpfwaren, 8. Tüll, roh und gemustert, 9. undichte Gewebe, gebleicht, gefärbt, bedruckt (ausser Gardinenstoffen).
8. Sonstige Verwendung der Baumwollfaser.
Sprechen wir noch kurz von der sonstigen Verwendung der Baumwollfaser, so ist der einfachste Gegenstand die Watte, die eine vielfache Benutzung findet.
Aus der Watte wird dann durch Reinigung und Imprägnierung mit geeigneten Substanzen die Verbandwatte hergestellt, die neuerdings in der Heilkunde so wichtige Dienste leistet und die früher übliche Charpie gänzlich verdrängt hat.
Fernere technologische Fabrikate sind Schiessbaumwolle, Kollodium und Celluloid.
Schiessbaumwolle (Nitrocellulose) nennt man Baumwolle, die mit einer Mischung von Salpetersäure und Schwefelsäure behandelt ist. Man verwendet dazu die gereinigten Spinnereiabfälle. Die Schiessbaumwolle hat das Aussehen gewöhnlicher Baumwolle, fühlt sich aber rauher an, knirscht beim Zusammendrücken und hat keine Elastizität. Sie entzündet sich bei starkem Stoss oder Schlag und verbrennt ohne Rückstand. Bei der Verbrennung entwickelt 1 kg Schiessbaumwolle etwa 801 Liter Gas; sie dient zum Sprengen. Gepresste Schiessbaumwolle