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Siebentes Kapitel.
4. Der Handbetrieb in der Neuzeit.
In der Zeit der alten Betriebsart, die im allgemeinen das sechzehnte, siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert umschliesst, war Deutschland das wichtigste Land Europas für die Bearbeitung der Baumwolle. Im 16. Jahrhundert wurde hier auch eine wichtige Verbesserung in der Spinnerei herbeigeführt. Nachdem nämlich schon vorher ein Handspinngerät mit wagerecht liegender, durch ein Kurbelrad bewegter Spindel erfunden war, setzte der Braunschweiger Johann Jürgens 1530 an Stelle der Kurbelbewegung das Trittrad (Fig. 87).
Die Blüte der deutschen Baumwoll- inüustrie beschränkte sich aber im wesentlichen auf das sechzehnte Jahrhundert und ging durch den grossen Krieg zu Grunde. Am frühesten erholte sich die sächsische Industrie und brachte es zu einem ansehnlichen Umfange. Aber selbst im achtzehnten Jahrhundert wurde, nach G. Schmoller, in Deutschland noch wenig Baumwolle verbraucht; sie war viel zu teuer, kostete doch der Centner Rohstoff hundert und mehr Thaler. Die am meisten getragenen Gewebearten, die Zitze und Nankings, wurden eingeführt. Gegen Ende des Jahrhunderts hatte die Baumwollspinnerei zwar wesentlich zugenommen. Aber in der Hauptsache hatte es doch gereicht, die Baumwolle von Frauen und Kindern verspinnen zu lassen. Eine professionsmässige Spinnbevölkerung gab es wenigstens nicht in allzugrossem Umfange. Als sich daher von 1782 an in Deutschland die Maschinenspinnerei einstellte, verdrängte sie langsam die Beschäftigung einiger Frauen, aber sie traf nicht eine ganze Bevölkerung in ihrem Haupterwerbszweige.
Die Weberei von Baumwollstoffen war gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts noch nicht sehr bedeutend. Sie hatte sich von den Niederlanden her am Niederrhein, in Kursachsen, in Oberfranken, auch in Brandenburg und Schlesien verbreitet. In Augsburg blühte neben der Weberei die Kattundruckerei. Es wurden auch deutsche Waren ausgeführt, aber
Fig. 87. Die Hauptbestandteile des Spinnrades von Johann Jürgens. (1530.)