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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
Entstehung
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Siebentes Kapitel.

von 4 cm Breite weben. Diese schmalen Streifen werden entweder in diesem Zustande verkauft oder zu einem grösseren Ganzen zusammengenäht. Bewundern muss man die Fertigkeit der Weber bei der Herstellung von netzartigen Mustern, zu denen blau und weisse oder rot und weisse oder, wie es im Norden geschieht, auch rote, blaue und weisse Fäden Ver­wendung finden. Die auf letztere Weise hergestellten Gewänder haben einen violetten Schimmer. Bei den Frauenumwürfen sah Staudinger auch durchbrochene Muster; vielleicht aber sind diese durch Herauszupfen der Fäden entstanden.

Sehr gute weisse Stoffe, schöne rote Zeuge und namentlich die blau- und weiss gegitterten Muster erzielen einen hohen Preis. Eine Ab­wechselung wird auch noch durch Zusammennähen verschiedener Gewebe­streifen erzielt. Die Zeuge sind sehr dauerhaft, im Verhältnis zu den geringen Hilfsmitteln auch ziemlich fein und namentlich recht geschmack­voll gefertigt. Die feinsten und besten Gewänder sollen in Bidah und Florin, also von den Nupe und Yoruba gearbeitet werden.

Hand in Hand mit der Weberei geht die Färbekunst, die in den meisten grösseren Städten des Haussareiches ausgeübt wird. Den höchsten Ruf geniessen die Blaufärbereien in der Gegend von Kano, die wie auch die übrigen derartigen Anstalten als Hauptfärbemittel den einheimischen Indigo verwenden. Näheres folgt in dem Abschnitte über den Sudan.

Die Südgrenze des afrikanischen Baumwollgewerbes bildet der Sambesi. Im Gebiet seines nördlichen Zuflusses, des Schire, betritt man, wie Livingstone erzählte, kaum ein Dorf, wo nicht einige Leute Baum­wolle reinigen, spinnen und weben. Seit dem Aufblühen des Sklaven­handels im Njassa- und Rovumagebiet ist aber längs der Handelsstrassen das einheimische Baumwollgewerbe zurückgegangen, da die Araber das Land mit billigen fremden Zeugen überschwemmten.

3. Die Verbreitung der Verarbeitung von Indien aus.

Von den drei Entstehungsherden der Baumwollverarbeitung: Indien, Altamerika und Innerafrika, sind die beiden letzteren ohne Einwirkung auf andere Völker geblieben; der amerikanische, weil er durch die Entdecker zerstört wurde, der afrikanische aber, weil er zu einer Zeit bekannt wurde, wo man längst über den primitiven Zustand der schwarzen Hand­werker fortgeschritten war. Indien dagegen wurde der Lehrmeister der übrigen Welt.