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Die Baumwolle nach Geschichte, Anbau, Verarbeitung und Handel, sowie nach ihrer Stellung im Volksleben und in der Staatswirtschaft / im Auftr. und mit Unterstützung der Bremer Baumwollbörse bearb. und hrsg. von A. Oppel
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202 Siebentes Kapitel.

möchte man vielleicht im ersten Augenblick verneinen wollen. Aber bei eindringlicherem Nachdenken wird man sich der Ansicht zuwenden, dass dies doch der Fall ist, denn erst als der primitive Mensch erkannt hatte, zu welchem Zwecke und in welcher Weise er die ihm von der Natur dar­gebotene Faser verwenden könne, kam er auf den Gedanken, sie in grösserer Menge zu gewinnen, als sie ihm ohne sein eigenes Zuthuen zur Verfügung stand. Daher begann und entwickelte er den Anbau.

1. Die ursprüngliche Technik der Verarbeitung.

Die Grundformen der Verarbeitung eines Faserstoffes wie die Baum­wolle sind die Bildung eines Fadens, oder das Spinnen, und die feste Verbindung der Fäden, oder das Weben; aber damit ist nicht gesagt,

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Fig. 73. Deutsche Bauernfamilie, spinnend. Nach Sebastian Münster (1544). Mann und Frau spinnen, der Knabe wickelt das Garn auf eine Haspel.

dass in dem wirklichen Gang der Dinge das eine unmittelbar auf das andere gefolgt wäre. Denn während der Vorgang des Spinnens verhältnis­mässig sehr einfach ist, bereitet das Weben grössere Schwierigkeit und setzt eine Art Vorstufe voraus, die man je nachdem als Knüpfen oder Flechten zu bezeichnen hat.

Das uralte Spinngerät, dessen Erfindung die Völker der Vorzeit gewissen Göttern zuschreiben, ist die Spindel oder Spille, ein nach beiden Enden schwächer zulaufendes Holzstäbchen, dem meist eine Rolle, der sog. Wirtel, aufgesteckt ist. Die Spindel hat einen doppelten Zweck: die für die Bildung des Fadens nötige Drehung zu geben und den ge­sponnenen Faden aufzunehmen.