Aus der>3taaiserllärung der provisorische» ?!ationalversaunulnng Deulsch- österrciclis vom 22. Nvveiubcr li>>8:
Die geschlossenen deutsche» Siedlungsgebiete der Komitate Prcßbnra, ?s>icsclbnrg, Sdenbnrg und Eisenburg gehören geographisch, ivirtschgsllich und ua.ivnal zu Deutschösterreich, slchen l >ilnl»mderleu in innigster »'irtschafllirber und geistiger Gemeinschaft »lit Deulschöstcrreich und sind insbesondere dei Sladi ?^ic» ^ur ^cbcnsiniltelvcrsorgung unentbehrlich. Darum muß bei den Friedens v^rbandlungen daraus bestanden Ivcrden, dast diesen dcutsclien Siedlungen das ,,>i v5elbstbestinunungsreckt zuerkanntivcrdc, das nach wiederholten Erllaninge» der ungarischen??egierung allen anderen Völkern Ungarns cingeraninl ist.
Staatenbildung auf völkischer Grundlage, die sich auf dem Boden der früheren österreichischungarischen MS^M> Monarchie vollzieht, hat auch das Königreich Angarn und damit die Vorherrschaft der Madjaren über die auderen dort lebenden „Nationalitäten" zertrümmert. Alle schon bestehenden oder neu im werden begriffenen Nationalstaaten in Ungarns Nachbarschaft gliedern sich ihre auf ungarischem Boden lebenden Volksgenossen fast restlos an.
Die große Llmwälzung berührt auch die Deutschen Ungarns, die zum überwiegenden Teil, und zwar in einer Stärke von mehr als anderthalb Millionen, in über das ganze Land verstreuten Sprachinseln und als städtische Minderheiten leben und daher keinen Anspruch auf staatliche Selbständigkeit erheben können. Es erwächst ihnen darum die Aufgabe, sich die ihnen bisher im allgemeinen vorenthaltene gebührende Anertennnng ihrer Sprache iu der Schule, in der Verwaltung und im öffentlichen Leben der Nationalstaaten zu erkämpfen oder — soweit sie, wie die Siebenbürger Sachsen, eine solche Anerkennung schon gefunden haben — ihren Besitzstand unter den neuen Verhältnissen zu sichern. Die wirtschaftliche Tüchtigkeit und die Lebenskraft dieser Deutschen bilden die beste Bürgschaft dafür, daß sie sich dieser Aufgabe gewachsen zeigen werden.
Noch größere Bedeutung gewinnt aber die Neugestaltung für die Deutschen in Westungarn, die Äeanzen und Äeidebauern, die schon seit vielen Jahrhunderten in geschlossenem Sprachgebiet längs der Grenzen von Niederösterreich und Steiermark und am Äeideboden östlich vom Neusiedler See leben und allen Madjarisierungsversuchen erfolgreich widerstanden haben. Ein großer Teil dieses deutscheu Landes stand vom Ende des 15. bis zur Mitte des l7. Jahrhunderts in staatsrechtlicher Verbindung mit Österreich und wurde ihm erst entrissen, als der Kaiser in Kriegsnot seine Necbte gegen die Madjaren nicht nachdrücklich verteidigen konnte. Noch vor wenig mehr als Hunden Iahren war aber die Erinnerung an dieses Anrecht in Österreich so lebendig, daß die Stände Niederösterreichs, allerdings ohne Erfolg, die Nückgabe dieser Gebiete an Österreich verlangten.