Coelum, non animum, mutant qui trans mare currunt.
Horat. Epist, I, 11.
(An neuer Küste landen sie mit der alten Gesinnung.)
Ich trete hin und spreche mit dir, Issigati von Karagwe. Du sitzest wieder am Wegerand unterm Tulpenbaum und fragst. Die Stirn unter deinem Kraushaar ist die eines Menschen. Deine feinen Hände greifen naiv nach den blonden iZöpfen meiner Gefährtin. Du glaubst, ich sei weise, weil ich Bücher habe, sei glücklich, weil mein Weib mit mir ist, und mit mir täglich Formen zerbricht und Vorurteile zerstäubt. Du beneidest mich; denn du vermutest vielfaches Leben der Seele hinter Zeltwänden, zwischen Schriftzeilen, und wenn spät der Mond über die Steppe steht und meine Saiten tönen. Der Rauch eurer Feuer zieht herüber, wenn der Wind unvermutet zurückkehrt und diese zarten Schultern küßt,
' der Träumenden. Ein Löwe brüllt hinter dem Hügel. Schließet das Dornverhau. Es schützt uns, eine Welt, ein Glück. Aber weshalb fließen Tränen, zittert zarte Berührung und Todesangst? Die Wildnis, Issigati, feiert seit Jahrtausenden schmerzende Brautnacht. Ihr kamt einst zurück von den Pyramiden. Saht Ihr Apollonius von Tyana am oberen Nil, wie er mit Euch Gymnosophisten sprach? War es ein Seufzer reinen Glückes, als der Stern von Nazareth in Numidien leuchtete, während Europa schon dunkel wurde vor allem unchristlichen Christentum? Die Palmen rauschen, die Welle des Nyanza wälzt bleichendes Gebein an den Strand. Brände kriechen Schluchten hinauf, Homerische Verse rollen über die sperrenden Sümpfe. Ach, diese Einheit! Weshalb Schwermut, wenn wir doch alle Menschen sind, und diese Sonne morgen wieder lacht? Weil, Issigati, Gifte Europas in mir sind!
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Ich aber bin kein Hunne. Und deshalb spreche ich zu Euch etwa, Romain Rolland und Woodrow Wilson, zu Dir, Iwan, ich kenne Dich nicht; Du lebst in der Heimat Dostojewskis, und zu Dir, Du mir innig verwandter gelbhäutiger Bruder irgendwo am Jang-tse, heißt Du Ku Hung-Ming oder sonstwie. Jedenfalls liest du den Tschuang-Tse mit demselben Nervenzittern wie ich. Wir alle, und Issigati, knien vor dem Schicksal, das uns zugleich Leben ist, Wonne und Schmerz. Ein süßer Widerhall, tief, neu, ewig. Ich gelte unter Euch als der letzte, weil ich ein Deutscher bin, und bin der Erste, weil ich mehr bin als unkompromittiert. Euch allen ist es versagt geblieben, durch das Gestrüpp deutscher Erziehung