EINLEITUNG
Wenn wir die Argentinische Republik heute in einem erstaunlich raschen wirtschaftlichen Aufschwung und auf der Bahn einer Entwicklung sehen, die nur mit der der Vereinigten Staaten von Amerika verglichen werden kann, so hat sie diesen Aufschwung, diese Entwicklung neben der Gunst der natürlichen Bedingungen vor allem der europäischen Einwanderung zu verdanken. Von 1857, dem Jahre, mit dem die regelmäßigen statistischen Aufzeichnungen über die von Übersee kommende Einwanderung beginnen, bis zur Gegenwart hat Argentinien vier Millionen Einwanderer aufgenommen, d. h. ungefähr viermal soviel als damals, im Geburtsjahre der argentinischen Einwanderungsstatistik das Land Einwohner zählte. Kamen bei dem ersten nationalen Zensus von 1869 erst 210000 Ausländer auf 1.500.000 Argentiner, so wurden bei der zweiten allgemeinen Volkszählung 1895 unter einer Gesamtbevölkerung von nicht ganz vier Millionen mehr als eine Million Fremde ermittelt, und zu Beginn des Jahres 1910, in dem die Republik diejahrhundertfeier ihrer Unabhängigkeit beging, wurde die Zahl der im Lande ansässigen Ausländer auf 2220000 geschätzt. Das ist ein volles Drittel der gesamten Bevölkerung, in Wahrheit ist aber der Anteil des Fremdenelements noch sehr viel größer, als es nach der Statistik den Anschein hat, da diese ausschließlich die Personen mit fremder Staatsangehörigkeit den Ausländern, alle im Lande geborenen Nachkommen der Fremden aber den Argentinern zurechnet, obwohl sie nicht dem kreolischen sondern dem europäischen Bestandteile der Bevölkerung angehören. So heißt es keinesfalls zu hoch greifen, wenn man annimmt, daß heute schon drei Fünftel aller Bewohner Argentiniens rein europäischen Blutes sind, und noch weit günstiger stellt sich das Verhältnis in den Gebieten, die der Mutterboden der wirtschaftlichen Kraft der Republik sind, in den Provinzen Buenos Aires, Santa Fe, Entre Rios, Cordoba, dem Territorium der Pampa, Mendoza und der Bundeshauptstadt. Hier machten die Europäer schon 1895 — ohne Hinzurechnung ihrer Nachkommen — ein Drittel der Einwohner aus, und heute, wo die Zahl der Ausländer gegen damals auf mehr als das Doppelte angewachsen ist, besteht die Bevölkerung dieser Gebiete zu mehr als zur Hälfte aus Europäern und ihren Abkömmlingen, deren Übergewicht jetzt noch jedes Jahr durch hunderttausend europäische Einwanderer verstärkt wird.
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