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Die deutschen Kolonieen : Beschreibung von Land und Leuten unserer auswärtigen Besitzungen / von Carl Hessler nach den neuesten und besten Quellen bearb.
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eines angezapften Baumes und blieb dort während der Nacht auf der Lauer, um den Dieb zu entdecken. Das glückte ihm auch sofort, denn eben als der Tag anbrach, erschien Sampari, der Morgenstern, um den gefüllten Behälter wegzunehmen. Aber kaum hatte er die Hand danach ausgestreckt, so wurde er von der eisernen Faust Mangundis erfaßt. Vergebens suchte er sich zu befreien, es blieb ihm nichts, als sich loszukaufen, und so machte er denn allerlei Anerbietnngen, zuletzt auch die eines Zauberstabes, welcher die wunderbare Kraft besaß, eine Jungfrau durch bloße Berührung ihres Busens znr Mutter zu machen. Diesen Stab nahm der Alte an und erprobte sogleich seinen Zauber, indem er denselben aus seinem Versteck im Palmbaum einem vorüber- wandelnden jungen Mädchen, dem schönsten von Meiokvwandi, aus den Busen warf. Das Mädchen wurde demzufolge Mutter und gebar einen Sohn, der als Beweis seiner wunderbaren Herkunft sogleich seinen Vater nannte. Nun vermählte sich das Paar, dem aber bald darauf so viele Uuannehmlichkeiten erwuchsen, daß es fortzuwandern beschloß. Mangundi zeichnete daher eine Prahu in den Sand und verwandelte dieselbe mit seinem Zauberstabe in eine wirkliche, aus welcher er mit Frau uud Kind nach Mafor segelte. Hier schuf er aus vier in die Erde gesteckten Hölzchen vier Häuser, aus denen später vier Kampongs (Dörfer) wurden. Lange lebte Mangundi auf dieser Insel als Stammvater einer zahlreichen Nachkommenschaft; endlich aber begab er sich nach Mesra, nördlich von Mafor, und verbrannte sich hier lebend auf einem von ihm selbst errichteten Scheiterhaufen. Von Mangundi stammen die Bewohner Neuguineas nach dieser Sage sämtlich ab."

b) Das Kaiser Wilhelms-Land.

Das Kaiser Wilhelms-Land ist der nordöstliche Teil der Insel Neuguinea, es ist 181650 Hkm*) (3300 ^Meilen) groß und hat gegen 110000 Einwohner. Die ganze westliche Hüfte der Insel gehört den Niederländern, während der übrige Teil englisches Gebiet ist. Die Grenze des Kaiser Wilhelms-Landes erstreckt sich an der Nordostküste der Insel vom 141? östl. Länge v. Gr. bis zu dem Punkte in der Nähe des Mitrafelseus, wo der 8. Grad südl. Breite die Küste schneidet. Nach Süden und Westen wird die Grenze durch eine Linie gebildet, welche zunächst dem 8. Breitengrade bis zu dem Punkte folgt,

*) Also mehr als die Hälfte des Gebietes von Preußen, oder etwa Z'/zinal die Größe Bayerns (75 863 cilrm --- 1380 üsMl.).

Die deutschen Kolonieen.

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