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Bau der Kolonialbahnen.
Die Schnelligkeit des Baus der Sudanbahn dürfte mit seiner militärischen Organisation Zusammenhängen und sich aus dem Fehlen größerer Geländeschwierigkeiten erklären.
Bahnbau im Bereich der Wanderdünen.
Da Kolonialbahncn, wie erwähnt, meist an den wichtigen Ilafenortcn ihren Ausgang nehmen, so kommt es oft vor, daß sie den Wüsten- und Dünengürtel, der der Küstcnlinie folgt, durchqueren müssen. Hierbei stellen die Wanderdünen den Bahnbau bisweilen vor eigenartige, besonders schwierige Aufgaben, die an dieser Stelle eine Erörterung verdienen.
In großem Umfange kam die Durchquerung von Wanderdünen in Deutsch-Südwestafrika beim Bau der Bahn Lüdcritzbucht - Keetmanshoop in Betracht, wo eine 7 km lange Strecke, von km 19 bis 26, in ihrem Gebiete zu durchfahren war. Alle Versuche, diese Dünenstrecke durch eine andere Linienführung zu umgehen, erwiesen sich als erfolglos. Es bleibt daher nur übrig, die von dem Winde fast ständig aus Südsüdwest herangewehten Sandmassen, unter Bereitstellung zahlreicher Arbeitskräfte, von dem Gleise fortzuschaffen, um dies für den Betrieb freizuhalten. Früher hatte man sogar erwogen, die ganze Strecke unter Aufwendung beträchtlicher Mittel, in einem langen Tunnelbau zu unterfahren; der Ausführung dieses kostspieligen Plans wurde aber nicht nähergetreten, weil man hofft, die Aufwendungen für die erfolgreiche Bekämpfung der Wanderdünen durch geeignete Maßnahmen mit der Zeit auf ein immer niedrigeres Maß herabzudrücken. Es wurde auch der Versuch gemacht, an Stelle der langsamen und kostspieligen Handarbeit auf mechanischem Wege, mittels einer Sandsauge- und Druckeinrichtung, ähnlich dem Verfahren bei unserer heimischen Druckluftreinigung, die dem Bahnkörper sich drohend nähernden Dünenmassen in einer Rohrleitung auf die andere Seite des Bahnkörpers hinüberzuschaffen; dabei wurde eine Lokomotive zu Hilfe genommen, die den Dampf zum Antrieb des Motors lieferte; auch konnte man hierbei die sturmfreien Zeiten zur Arbeit ausnutzen. Die Sandsaugeeinrichtung hat sich indessen nicht bewährt, ihre Leistungsfähigkeit ließ erheblich zu wünschen übrig, und man ist zur früheren Methode der Beseitigung der Sandmassen durch schwarze Arbeiter zurückgekehrt. Daneben werden die Versuche zur Dünenbefestigung fortgesetzt.
Bei der Bekämpfung der Dünengefahr handelt es sich darum, entweder die der Bahn sich nähernden Sandmassen in Flugsand aufzulösen und durch Aufstellung von im Grundriß düsenartig ungeordneten Zäunen, trichterartiger oder keilförmiger Leitwände zu zerteilen und an solche Stellen der Bahn hinzuleiten, wo sie ohne Gefahr für den Betrieb vom Winde selbst über die Bahn gefördert werden, oder, wenn dies nicht durchführbar ist, die Sandmassen luvwärts der Bahn durch geeignete Mittel, Bestecken oder Bepflanzen oder Bedecken