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Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
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Bau der Kolonialbahnen.

suchen, um unbrauchbare und mit ansteckenden Krankheiten behaftete auszuschließen. Nach der neuen Arbeiterverordnung des Gouverne­ments wird die Anwerbung der Arbeiter von den dazu bestellten amtlichen Organen bewirkt, so daß jetzt eine sorgfältige Ausscheidung aller der Arbeit nicht gewachsenen Leute sichergestellt und für die Wohlfahrt der Arbeiter, für ihre sachgemäße Unterbringung und Ver­pflegung nach den Verpflegungsvorschriften in umfassendem Maße Sorge getragen wird. Alle diese Dinge einzurichten kostete natürlich viel Mühe, Zeit und Geld!

Die in Kamerun ungemein heftig auftretende Regenzeit macht sich auch beim Eisenbahnbau sehr störend bemerkbar. Im tropischen Regen nicht zu reden von den oft schweren Gewitterregen oder Tornados ist es unmöglich, die Schwarzen zu irgendwelcher Arbeit bereit zu fin­den; es bleibt nur übrig, die Arbeit während der Regenzeit völlig ruhen zu lassen. Die Arbeitszeit des Jahres erleidet dadurch also eine unlieb­same Einschränkung, und es ist oft schwer, nach diesen Unterbrechun­gen die Eingeborenen wieder vollzählig zur Arbeit zu versammeln. Die mit der Regenzeit, besonders in höher gelegenen Bezirken, oft verbundene starke Abkühlung führt bei den mangelhaft bekleideten Arbeitern leicht Erkältungskrankheiten herbei; dem muß durch recht­zeitige Versorgung der Arbeiterschaft mit wollenen Decken u. dgl. vor­gebeugt werden. Die Schwierigkeit, die für den Bau der Mittellandbahn ständig erforderlichen Arbeiter zu stellen, hat neuerdings durch die Kautschukkrisis eine erhebliche Linderung erfahren, da diese eine große Anzahl Arbeiter beschäftigungslos gemacht hat.

In Togo sind die vorstehend erläuterten Schwierigkeiten in der Ar­beitergestellung beim Bahnbau nicht zutage getreten; einmal können hier die Bedürfnisse für die Verpflegung der Arbeiter völlig im Lande selbst gedeckt werden, sodann kam der günstige Umstand hinzu, daß die dortigen Bauern besonders anstellig und gelehrig, auch sehr aus­dauernd in der Arbeit sind. Die dortigen Häuptlinge sind so fort­geschritten, daß sie den Wert der Eisenbahn in kurzer Zeit begriffen und daher stets selbst, ähnlich wie in Britisch-Nigerien, für genügende Arbeitergestellung sorgten.

Lohnverhältnisse beim Bahnbau MorogoroTabora: Ausgaben für 1 farbigen Arbeiter:

a) Lohn für 30 Arbeitstage 810 Rupien (1 Rupie = 1,33 M.), im Mittel 9 Rupien, für 1 Tag 30 Heller.

b) Verpflegung in bar oder in Lebensmitteln, wo im Lande gebautes Korn zur Verfügung steht: 0,13 Rp. für 1 Verpflegung (Poscho); die übliche Sonntags- und Krankenverpflegung eingerechnet, bezieht ein Arbeiter, während er 30 Tage abarbeitet, 40 Poscho, daher für den Tag 40V0,13

g Q Rp. = 17V 3 Heller.

c) Verpflegung mit Reis: 1 Poscho kostet 0,25 Rp. einschließlich

40 X 0 25

Beförderung zur Baustelle, daher -^ Rp. = 33V 3 Heller.