Druckschrift 
Die Kolonialbahnen mit besonderer Berücksichtigung Afrikas / von F. Baltzer
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

332

Bau der Kolonialbahnen.

reich gestaltet, sind Bäume, deren l'mbrechen bei Gewitterstürmen, Tornados usw. zu befürchten ist und die im Fallen die Züge, das Gleis oder die Drahtlcitungen gefährden, von vornherein zu beseitigen. Hier­bei pflegt man in Ostafrika große Bäume, insbesondere die sehr umfangreichen Affenbrotbäume, mit Dynamit zu sprengen, da das Holz keinen Wert besitzt. Lebende Termitenhügel, die in großer Ausdehnung Vorkommen, müssen völlig ausgehoben, die Termiten getötet und alle Hohlräume sorgfältig verfüllt und cingestampft werden.

Arbeiterverhältnisse in den Schutzgebieten.

Anwerbung, Behandlung und Verpflegung. Arbeiterfürsorge.

Da für die Ausführung der Erdarbeiten die Arbeiterfrage von großer Bedeutung ist, so mögen hier einige Bemerkungen über die Arbeiterverhältnisse in unseren Schutzgebieten Ilatz finden. Die Neger waren in den Gebieten, wo die Eisenbahnbauten zum erstenmal vor­kamen. bisher meist Hirten. Viehzüchter und Ackerbauer. In allen Arbeiten des Eisenbahnbaues mußten sie also erst sorgfältig angelernt werden. Eine ruhige, bestimmte und gerechte Behandlung der Far­bigen ist hierbei unbedingt notwendig. Geschicklichkeit und ruhiges Temperament der weißen Beamten, Aufseher und Vorarbeiter führt bei der Erziehung und Anlernung der Eingeborenen am raschesten zum Erfolge, ln verschiedenen Ländern und Gebieten ist die Veran­lagung und Neigung der Schwarzen zu den in Frage kommenden Arbei­ten außerordentlich verschieden. Für mechanische Vorrichtungen zeigt der Neger im allgemeinen eine schnelle Auffassung, rasches Verständnis und eine gewisse Geschicklichkeit; das beweisen unter anderem die Erfolge der Werkstätten der katholischen Mission und der Eisenbahn­verwaltung in Lome, Togo, der Eisenbahnwerkstätten in Ebute Metta bei Lagos in Nigerien, in Nairobi in Britisch-Ostafrika u. a., in denen unter weißer Anleitung und Aufsicht die schwarzen Arbeiter recht gute Leistungen erzielen. Die Leute dauernd bei einer ihnen zunächst neuen und schwierigen Arbeit zu halten, gelingt nur bei sachgemäßer Fürsorge für ihr leibliches Wohl, bei richtiger Behandlung, Unterbrin­gung und Verpflegung. Da die Arbeiter besonders in der Regenzeit und zu Anfang ihrer Dienstleistung häufig Erkrankungen ausgesetzt sind, so ist auch die Einrichtung ärztlicher Pflege von vornherein not­wendig; eine umfassende Krankenverwaltung mit regelrechtem Sani- täts- und Lazaretdienst ist ohnehin bei der Bauverwaltung unerläßlich, da beim tropischen Bahnbau auch die weißen Beamten, Aufseher und Handwerker Erkrankungen mehr als in der Heimat ausgesetzt und meist allein auf die bahnärztliche Pflege in dem aller Hilfsmittel und Kranken-Einrichtungen entbehrenden Neulande angewiesen sind. Die Bauunternehmung muß daher eine Mehrzahl tüchtiger Ärzte zuziehen, die besonders in der Erkennung und Behandlung tropischer Infektionskrank­heiten wie Malaria, Schwarzwasserfieber, Schlafkrankheit usw. aus­gebildet und erfahren sind; sie hat geeignete Unterkunftsräume und die