Vorwort des Verfassers.
Die Entwicklung auf dem Gebiete des kolonialen Eisenbahnwesens hat in Afrika wahrend der letzten Jahrzehnte nachhaltig eingesetzt und scheint für die Zukunft mindestens in gleichem Maße anhalten zu wollen. Mit dieser kraftvollen Entwicklung, an der sich seit zehn Jahren auch Deutschland nachdrücklich beteiligt, hat die deutsche Literatur auf dem Gebiete der Kolonialbahnen nicht Schritt gehalten; denn unserem Schrifttum fehlt es gänzlich an einem zusammenfassenden Werke, das über die Entwicklung und den heutigen Stand der Eisenbahnen in den afrikanischen Kolonien, über ihre wirtschaftlichen und technischen Verhältnisse übersichtlich Aufschluß gibt. Die verdienstvolle kolonialwirtschaftliche Studie von Professor Hans Meyer über die Eisenbahnen im tropischen Afrika (Duncker & Humblot, Leipzig, 1902), dürfte heute überholt und veraltet sein. Das umfangreichere französische Werk ,,Lcs Chemins de fer colo- niaux en Afrique" von E. d c R e n t y (3 Bände, Paris, 1903 bis 1905) behandelt die französischen Kolonialbahnen (im 3. Bande) mit einer Ausführlichkeit, die dem Werke bleibenden Wert verleiht; die Behandlung der nichtfranzösischen Kolonialbahnen im 1. und 2. Bande genügt aber für den heutigen Stand der Dinge nicht mehr. Die im Jahre 1907 von dem damaligen Kolonialstaatssekretär Dem- bürg veranlaßte umfangreiche Denkschrift an den Reichstag: über die ,,E isenbahnen Afrikas, Grundlagen und Gesichtspunkte für eine koloniale Eisenbahn-Politik in Afrika" (Reichstagsdrucksache Nr. 262 der 12. Legislaturperiode, I. Session, 1907) hat seinerzeit wesentlich dazu beigetragen , die frühere Unentschlossenheit und Gleichgültigkeit in weiten Kreisen des deutschen Volkes gegen unsere kolonialen Aufgaben zu beseitigen; sie hat das schnellere Tempo des kolonialen Eisenbahubaues in unseren afrikanischen Schutzgebieten angebahnt und insofern ungemein segensreich gewirkt. Aber diese wertvolle Fundgrube für alles, was bis dahin auf dem