Die Geologie der deutschen Schutzgebiete
bwohl der Erforschung der geologischen Verhältnisse unserer Kolonien nicht diejenige Aufmerksamkeit geschenkt wurde, welche im Interesse der Wissenschaft und aus praktischen Gründen angebracht gewesen wäre, so ist doch immerhin seit der Besitzergreifung eine erfreuliche Zunahme unserer Kenntnisse auf diesem Gebiet zu konstatieren, so dass wir uns wenigstens eine Vorstellung von dem Bau einiger unserer Kolonien machen können.
Bei der Besprechung der Geologie unserer Schutzgebiete in Afrika müssen wir leider von Togo fast ganz absehen, da wir darüber zu wenig wissen.
An seiner sandigen flachen Küste steht an einigen Punkten weisser Sandstein an, während in der welligen und hügeligen Ebene dahinter hauptsächlich Lehmboden herrscht, unter dem Konglomerat lagern soll. In den Gebirgen spielt anscheinend Urgestein: Gneiss, Granit und krystallinische Schiefer, die Hauptrolle, aber auch roter Sandstein wird erwähnt. Die ersteren Gesteine dürften auch weiter im Innern vorwiegen, junge Eruptivgesteine scheinen nicht oder nur wenig entwickelt zu sein. Im ganzen dürften in unserem Gebiet ähnliche Verhältnisse herrschen, wie an der benachbarten Goldküste, wo auch am Meer Sandstein gefunden worden ist, während ausserdem fast ausschliesslich krystallinische Gesteine auftreten. Es ist deshalb gar nicht unwahrscheinlich, dass das Gold, das in der englischen Kolonie, wenn schon nicht in reicher Menge, gewonnen wird, auch bei uns auftritt; wir wissen aber über das Vorkommen nutzbarer Mineralien in Togo fast nichts, da seinen geologischen Verhältnissen leider noch keine Beachtung geschenkt wurde.
Die übrigen Kolonien in Afrika sind uns wenigstens in manchen Teilen besser bekannt. Sie besitzen in vieler Beziehung unter sich ähnliche Verhältnisse, da fast ganz Afrika südlich der Sahara, ein Gebiet, das wir kurz Aethiopien nennen wollen, im ganzen ziemlich einfach und einheitlich gebaut zu sein scheint.
Es ist, so weit wir wissen, ein uraltes grosses Festland, dessen Grundlage von krystallinischen Gesteinen, besonders Gneissen und Graniten, öfters begleitet von anscheinend fossilleeren Quarziten, Sandsteinen und Thonschiefern, gebildet wird, während darauf in fast horizontaler oder verhältnismässig schwach geneigter Lage Sandsteine und Thonschiefer, seltener Kalkschichten lagern, die leider grossenteils sehr arm an Versteinerungen zu sein scheinen. In Südafrika hat man in den älteren dieser Sedimentärgesteine zum Teil Reste von Meerestieren aus der Devonzeit, zum Teil von Pflanzen aus der Steinkohlenperiode gefunden (Kapformation), in den jüngeren vielfach Landpflanzen, Fische und eigenartige Reptilien, die zur Perm-Trias - Zeit in grossen Binnenseen respektive auf dem Festland existiert haben, das allem Anschein nach seit der Devonzeit nie mehr ganz vom Meer überflutet wurde; denn nur nahe an der Küste West- und Südafrikas und in den nieder gelegenen Teilen Ostafrikas (allerdings auch im Hochlande von Abessynien) fand man jüngere marine Ablagerungen bald aus der Jura- oder Kreide- bald aus der Tertiärzeit. Die Sedimentschichten, die sich nach den per- motriassischen als Karooformation zusammengefassten auf dem Kontinent abgelagert haben, sind leider noch wenig erforscht, obwohl eine Kenntnis ihrer Fossilien sehr wichtig wäre, da in ihnen sich die Reste der Vorfahren der jetzigen Land- und Süsswasserbewohner Aethiopiens vorfinden müssen. Bis jetzt sind nur einige rezente Land- und Süsswasserformen aus diesen Schichten bekannt; sie sind in den grossen innerafrikanischen Becken, in dem des Ngamisees, des Kongo und des Tsadsees weit verbreitet, finden sich aber auch sonst überall in Niederungen, an Seen und Flüssen.
Während in Südafrika zur Zeit der Karooformation eine besonders intensive vulkanische Thätigkeit herrschte, junge Eruptivgesteine aber dort keine Rolle spielen, finden wir diese in Kamerun und Aequatorialafrika sehr