Print 
Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Place and Date of Creation
Page
346
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Die Geologie der deutschen Schutzgebiete

bwohl der Erforschung der geologischen Ver­hältnisse unserer Kolonien nicht diejenige Aufmerksamkeit geschenkt wurde, welche im Interesse der Wissenschaft und aus praktischen Gründen angebracht gewesen wäre, so ist doch immerhin seit der Besitzergreifung eine erfreuliche Zunahme unserer Kenntnisse auf diesem Gebiet zu konstatieren, so dass wir uns wenigstens eine Vorstellung von dem Bau einiger unserer Kolonien machen können.

Bei der Besprechung der Geologie unserer Schutz­gebiete in Afrika müssen wir leider von Togo fast ganz absehen, da wir darüber zu wenig wissen.

An seiner sandigen flachen Küste steht an einigen Punkten weisser Sandstein an, während in der welligen und hügeligen Ebene dahinter hauptsächlich Lehm­boden herrscht, unter dem Konglomerat lagern soll. In den Gebirgen spielt anscheinend Urgestein: Gneiss, Granit und krystallinische Schiefer, die Hauptrolle, aber auch roter Sandstein wird erwähnt. Die ersteren Ge­steine dürften auch weiter im Innern vorwiegen, junge Eruptivgesteine scheinen nicht oder nur wenig ent­wickelt zu sein. Im ganzen dürften in unserem Gebiet ähnliche Verhältnisse herrschen, wie an der benachbarten Goldküste, wo auch am Meer Sandstein gefunden worden ist, während ausserdem fast ausschliesslich krystallinische Gesteine auftreten. Es ist deshalb gar nicht unwahrscheinlich, dass das Gold, das in der eng­lischen Kolonie, wenn schon nicht in reicher Menge, gewonnen wird, auch bei uns auftritt; wir wissen aber über das Vorkommen nutzbarer Mineralien in Togo fast nichts, da seinen geologischen Verhältnissen leider noch keine Beachtung geschenkt wurde.

Die übrigen Kolonien in Afrika sind uns wenig­stens in manchen Teilen besser bekannt. Sie besitzen in vieler Beziehung unter sich ähnliche Verhältnisse, da fast ganz Afrika südlich der Sahara, ein Gebiet, das wir kurz Aethiopien nennen wollen, im ganzen ziemlich einfach und einheitlich gebaut zu sein scheint.

Es ist, so weit wir wissen, ein uraltes grosses Festland, dessen Grundlage von krystallinischen Gesteinen, be­sonders Gneissen und Graniten, öfters begleitet von an­scheinend fossilleeren Quarziten, Sandsteinen und Thon­schiefern, gebildet wird, während darauf in fast hori­zontaler oder verhältnismässig schwach geneigter Lage Sandsteine und Thonschiefer, seltener Kalkschichten lagern, die leider grossenteils sehr arm an Versteinerungen zu sein scheinen. In Südafrika hat man in den älteren dieser Sedimentärgesteine zum Teil Reste von Meeres­tieren aus der Devonzeit, zum Teil von Pflanzen aus der Steinkohlenperiode gefunden (Kapformation), in den jüngeren vielfach Landpflanzen, Fische und eigenartige Reptilien, die zur Perm-Trias - Zeit in grossen Binnen­seen respektive auf dem Festland existiert haben, das allem Anschein nach seit der Devonzeit nie mehr ganz vom Meer überflutet wurde; denn nur nahe an der Küste West- und Südafrikas und in den nieder ge­legenen Teilen Ostafrikas (allerdings auch im Hochlande von Abessynien) fand man jüngere marine Ablagerungen bald aus der Jura- oder Kreide- bald aus der Tertiär­zeit. Die Sedimentschichten, die sich nach den per- motriassischen als Karooformation zusammengefassten auf dem Kontinent abgelagert haben, sind leider noch wenig erforscht, obwohl eine Kenntnis ihrer Fossilien sehr wichtig wäre, da in ihnen sich die Reste der Vor­fahren der jetzigen Land- und Süsswasserbewohner Aethiopiens vorfinden müssen. Bis jetzt sind nur einige rezente Land- und Süsswasserformen aus diesen Schichten bekannt; sie sind in den grossen inner­afrikanischen Becken, in dem des Ngamisees, des Kongo und des Tsadsees weit verbreitet, finden sich aber auch sonst überall in Niederungen, an Seen und Flüssen.

Während in Südafrika zur Zeit der Karooformation eine besonders intensive vulkanische Thätigkeit herrschte, junge Eruptivgesteine aber dort keine Rolle spielen, finden wir diese in Kamerun und Aequatorialafrika sehr