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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
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Deutsch-Ostafrika

ährend die anderen deutschen Kolonien erst in der Neuzeit aus der Namenlosigkeit auf­getaucht sind, hat Ostafrika bereits eine Geschichte und zum Teil eine gewisse Civilisation. Kühne ägyptische Seefahrer umschifften schon vor mehr als Tausenden von Jahren das Kap Guardafui; arabische und persische Abenteurer benutzten schon vor mehr als tau­send Jahren entweder die Strömungen des Meeres oder die Richtungen der Winde, um zur ostafrikanischen Küste zu gelangen, und handelten bis weit nach dem Süden hin­unter, wo schon in einer jetzt nicht mehr bestimmbaren Vorzeit der Goldreichtum des Landes von Völkern, deren Spuren fast verloren gegangen sind, ausgebeutet wurde. Als das mohammedanische Wesen wie ein Wirbelwind auch die Länder am Indischen Ocean ergriff, boten seinen Anhängern die ostafrikanischen Gestade eine reiche Aus­beute an Sklaven, wie das westafrikanische Gebiet von den Europäern und Amerikanern als Jagdgrund benutzt wurde. Es war hier eine nicht unbedeutende Civili­sation nach arabischem Muster aufgesprungen wenn man den Historikern der vergangenen Zeit Glauben, schenken darf, als die Portugiesen auf ihrer Suche nach Indien als die ersten Europäer einzelne Plätze besuchten und in Verfolg ihres handelspolitischen Prinzips sofort die Unterwerfung der Küste begannen. Infolge ihrer sich von Jahr zu Jahr steigernden Ohn­macht fassten aber die Araber wieder Mut, und schliesslich ging der Teil Ostafrikas, welcher heute den Deutschen gehört, den Portugiesen vollständig verloren. Nur spär­liche Mauerüberreste hier und dort deuten noch an, dass hier einst die Lusitaner herrschten, und das arabische Element hat an der Küste wenigstens die schwachen An­fänge christlich-europäischer Kultur wieder vollkommen ausgerottet. Von dem Mittelpunkt Zanzibar ausgehend, strahlte die Macht der arabischen Herrscher auf das Festland über, wo halb unabhängige arabische Häupt­linge nach Belieben schalteten und walteten, und es schien nicht ausgeschlossen, dass sich hier mit der Zeit ein neues mohammedanisches Reich von grosser Bedeu­tung erheben könnte.

Die Araber hatten im Laufe der Zeit ihren Ein­fluss weiter nach dem Innern ausgedehnt, als Händler und in ihrer Art Kolonisatoren trotz des scheusslichen Sklavenhandels, und eine Anzahl günstig gelegener Plätze besetzt, waren über den Tanganyika bis zum Kongo gedrungen und hätten, wie die Geschichte des Kongostaates, besonders die Kämpfe gegen die Araber Mitte der neunziger Jahre beweist, durch Errichtung eines grossen centralafrikanischen mohammedanischen Reiches und Anschluss an die arabischen Sklavenjäger des süd­lichsten Sudans ihr Werk der Eroberung vollendet. Die Insel Zanzibar, welche handelspolitisch sehr günstig ge­legen ist, konnte dabei nur gewinnen, wenn sie nach allen Richtungen ihre Fangarme ausstreckte. Da dort seit langen Jahren der Hauptsitz der arabischen Macht war, so erklärt sich daraus die sonst eigentümliche Er­scheinung, dass nicht schon früher der ernsthafte Ver­such gemacht wurde, die Küste mehr als bisher ge­schehen war, arabisch zu machen. Die Küstenbevölkerung ist allerdingsaraberisiert, hat mohammedanische Glaubens­formen angenommen und spricht Suaheli, eine stark mit Arabisch durchsetzte Sprache, welche die lingua franca von Centralafrika geworden ist, aber im grossen und ganzen haben die Araber an der Küste doch kulturell wenig geleistet. Für sie hatte, und dies giebt eine gewisse Erklärung, das ostafrikanische Küstenland nur Bedeutung als Durchgangsgebiet und Ausfuhrland für Sklaven und Elfenbein, die eigentlichen Schätze des Landes, welche schliesslich infolge des herrschenden Raubsystems weit aus dem Innern geholt werden mussten. Die Araber haben, was vielleicht diese Sorglosigkeit erklärt, in den Tropen ein gut Teil ihrer Energie ein- gebiisst, während auf der anderen Seite die Bantu­bevölkerung wenig entwicklungsfähig scheint. Aber schliesslich ist ihnen dies zum Verhängnis geworden; denn als die grossen Kämpfe um die Herrschaft zwischen den Arabern und Europäern im tropischen Central­afrika ausbrachen, wie im Jahre 1888 in Ostafrika, 1892 im Kongostaat und am Nyassasee, hatten die Araber keine genügende Küstenbasis, um diese Kämpfe mit