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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
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kurz, die verschiedensten Gattungen und Arten in allen Form- und Farbnuancen sind vertreten.

Allgemeineres Interesse vielleicht als Vorhergehen­des dürfte die ethnologische Sammlung wecken; das Leben und Treiben der Insulaner in Busch und Wald, in Krieg und Frieden, bei fröhlichen und ernsten Ge­legenheiten wird hier dargestellt durch die verschieden­artigsten Gegenstände: Küchengeräte, Kleidungsstücke, Schmucksachen für Tanz und Krieg, Waffen und Kriegermasken, Fischnetze mit allem, was zu ihrer Her­stellung erforderlich ist, Muschelgelder, die beim Tausch­handel, beim Einkauf der Frauen, bei Krankenbesuchen, Begräbnissen und sonstigen Gelegenheiten zur Ver­wendung kommen, von Insulanern hergestellte Modelle der eigentümlichen Auslegerkähne, Zaubergegenstände und Schnitzwerke, die bei religiösen Funktionen ge­braucht werden kurz, nichts wurde vergessen.

Es war ein glücklicher Gedanke, die verschiedenen Gegenstände mit Kärtchen zu versehen, welche kurz Namen und Verwendung derselben angeben und somit manche Eigentümlichkeit der wilden Volksstämme Oceaniens verraten. So vernehmen wir u. a., dass ein schmutzigbrauner Ring aus Baumrinde als Gürtel dient; zugleich aber wird mitgeteilt, dass bei unseren Gegen- füsslern nicht die Damen, sondern nur die jungen Herren sich die Taille schnüren; dass eine dreizinkige, aus Kasuarknochen verfertigte Gabel, die mit einem gleichartigen Messer in einem Fasernetui steckt, den »Schönen« des Landes bei der Toilette zugleich den Haarkamm ersetzt; dass ein aus der Riesenmuschel verfertigtes Armband überall und von allen getragen wird, während aus Gräsern hergestellte Armbänder nur von den Witwern angelegt werden, und zwar zu Anfang oder zu Ende der Trauer, je nachdem die Armbänder mit verlängerten Gräsern versehen sind oder nicht; dass - eine lange, äusserst feine Haarflechte zum An­denken an Verstorbene oder abwesende Freunde auf der Stirn getragen wird, eventuell auch abgelegt werden kann, da sie leider nur aus falschen Haaren besteht. Weiter werden uns netzartige Säckchen gezeigt mit dem Vermerk, dass dieselben Wiege und Kinderwägelchen ersetzen; Kochtöpfe aus Baumrinde; mit gewisser hertig- keit geschnitzte Holzsachen, die, an einer scheusslichen Larve befestigt, beim Tanze das Gesicht bedecken, während buntbemalte, aus Fasern und Kalk hergestellte Tücher den Oberkörper einhüllen, so dass der Tanz sich förmlich zum Maskenball gestaltet; selten vor­kommende Amulettsäckchen, Zauberermasken u. s. w.

Weiteren Aufschluss über den ethnologischen Teil gab ein interessantes, reich illustriertes Album, wovon mehrere Exemplare aufgeschlagen lagen. Dasselbe befasste sich eingehend mit Land und Leuten, mit Sprache und Sitten, mit den sozialen und religiösen Zuständen unserer schwarzen Mitbürger und brachte ausserdem genaue geographische Notizen, drei Spezial­

karten von Neu-Pommern und einen vollständigen Bericht über das Wirken der Mission seit 15 Jahren. Uebrigens brauchen wir nur einen Blick auf den päda­gogischen Teil der Missions-Ausstellung zu werfen, um uns zu überzeugen von den reichen Erfolgen, die bisher erzielt wurden: Katechismus und Biblische Geschichte in der Sprache der Gazellen-Halbinsel; gediegene, tadellose Handarbeiten der kleinen Negermädchen; mit überraschender Regelmässigkeit und Korrektheit be­schriebene deutsche Schreibhefte; Linearzeichnungen und Karrikaturen, wie sie besser unsere einheimischen A-B-C-Schiitzen nicht liefern, sprechen laut von frucht­barer, ausdauernder Arbeit.

Dass auch in religiöser Hinsicht die Hcrz-Jesu- Mission der schönsten Erfolge sich rühmen darf, be­weisen gut gelungene Momentaufnahmen von Taufen und sonstigen kirchlichen Feierlichkeiten, die nebst vielen anderen Photographien zur Ausstellung gelangten.

Allerdings ist ein so grossartiges Civilisations- und Bekehrungswerk mit schweren Leiden und Entbehrungen verbunden; schon mehr denn einer von den helden­mütigen Vorboten der Civilisation wurde inmitten seiner Arbeiten vom Tode dahingerafft; zwei Lichtdrucke bringen das Bildnis der letzten Opfer, welche erst im Alter von 31 und 34 Jahren standen.

Alles in allem gestaltet sich die Ausstellung der Herz-Jesu-Mission zu einem treuen Bilde unserer Siid- seebesitzungen und ist zugleich eine glänzende Apologie von all dem Grossen, was deutsche Thatkraft und deutscher Opfermut vermag, unterstützt und genährt von den heiligen Idealen des Glaubens.

H. Lincke 11s,

Missionar vom hl. Herzen Jesu.

Der Deutsche Frauenverein für Krankenpflege in den Kolonien.

Der unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin stehende Frauen verein für Kranken pflege in den Kolonien ist zugleich auch Hilfsverein des grossen Vaterländischen Frauenvereins und geniesst die Rechte einer juristischen Person seit Dezember 1895. Ihre Hoheit Frau Herzogin Johann Albrecht zu Mecklenburg, die warme Freundin unserer Kolonien, führt den Ehren­vorsitz; die Gräfin von Monts, Witwe des komman­dierenden Admirals, ist die zielbewusste, energische Vorsitzende des Vereins.

Als seiner Zeit auch die deutsche Nation in den Wettstreit um den Besitz überseeischer Kolonien ein­trat, regte sich in den Frauenherzen gleichfalls der Wunsch, teilzuhaben an dem neuen Arbeitsfeld. Aber nur das ureigenste Gebiet der Frau »die Kranken pflege« galt es sich zu sichern! Die Wunden, die ge­schlagen werden mussten, sollte weibliche Fürsorge zu heilen versuchen; versuchen wollte man, der deutschen