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Deutschland und seine Kolonien im Jahre 1896 : amtlicher Bericht über die Erste Deutsche Kolonial-Ausstellung / hrsg. von dem Arbeitsausschuss der Deutschen Kolonial-Ausstellung ... Red.: Gustav Meinecke ... Zeichn.: Rudolf Hellgrewe
Entstehung
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land die mühevolle Anfangsarbeit auf sich 7.11 nehmen. Sie ersah sich die Astrolabekiiste als Gebiet für ihre Niederlassungen; diese Küste erstreckt sich von Kon­stantinhafen aus nordwärts. Hier entstanden nach und nach die drei Stationen Bogadjim bei Stephansort (1887), Siar bei Friedrich Wilhelmshafen (1889) und Kulabob auf der Dampierinsel, welche dem Prinz Alberthafen gegenüberliegt, 23 deutsche Meilen von der Küste entfernt. Hier bestand das Heidentum in ungebrochener Kraft. Die Sprachen der Eingeborenen waren noch nicht bearbeitet, die Missionare mussten sie den Leuten vom Munde ablesen; dabei findet man hier die ver­schiedensten Dialekte dicht nebeneinander. Das Klima erwies sich als mörderisch; in dem kurzen Zeitraum von acht Jahren starben von den 16 Missionaren und 7 Missionsfrauen, die nach und nach hinauszogen, sechs Personen am F'ieber; zwei verloren ihr Leben durch Unglücksfälle, und zwei andere sind von den Ein­geborenen ermordet und wahrscheinlich aufgefressen worden. Die Inselstation musste im vergangenen Jahre wegen Ausbruch eines Vulkans verlassen werden; jetzt stehen auf den beiden Festlandstationen noch sechs Missionare. Ausgestellt waren einige Masken, die bei den heidnischen Festen an dieser Küste gebraucht werden, sowie ein anscheinend aus Gips geformter Dorfgötze und ein merkwürdiges Götzenbild in Fisch­gestalt. Von der Arbeit der Rheinischen Gesellschaft berichten kleinere Missionsschriften, sowie die rheinischen Missionsberichte und das Barmer Missionsblatt. Neben dieser Gesellschaft arbeitet in Kaiser Wilhelmsland noch dieNeendettelsauer Missionsgesellschaft :i: ), welche am 8. Oktober 1886 in der Nähe von Fmschhafen die Station Simbang gründete; eine zweite Station wurde auf den Tamiinseln gegründet und eine dritte auf dem Sattelberg. Die Gesellschaft unterhält hier sieben Missionare, welche durch Betreiben von Garten­bau und Viehzucht sich das Leben annehmlicher ge­stalteten und dadurch auch die Ifingeborenen in ihren Umgang ziehen. Stücke aus den Evangelien, sowie die Hauptstücke aus dem Katechismus, 16 Lieder und biblische Geschichten sind in die Sprache der Jabim übersetzt. Auch in die Kaisprache sind die Zehn Ge­bote, einige Lieder und andere Stücke übersetzt. Einige 40 Kinder sind im Unterricht. Auch diese Missionare haben unter dem P'ieber zu leiden; gestorben ist indes nur einer aus ihrer Mitte. Wenn die Arbeit dieser Ge­sellschaft auf unserer Ausstellung weder durch Bilder noch durch Schriften veranschaulicht war, so hatte die australische Wesleyan Methodist Missionary Society**) Bilder und Bücher in dankenswerter Weise herübergesendet. Ihre Mission war im Jahre 1857 durch

*) Gesellschaft für innere und äussere Mission im Sinne der lutherischen Kirche. Neendettelsau. Inspektor J. Deinzer.

Australasian Wesley. Meth. Missionary Society. 3S1 f.eorge Street, Sydney.

Missionar G. Braun begonnen worden, zu einer Zeit, als noch kein einziger weisser Mann auf dieser Insel­gruppe wohnte. Jetzt arbeiten auf Neu-Pommern, Neu- Lauenburg und Neu-Mecklenburg 3 weisse Missionare mit 3 eingeborenen Pastoren und 117 eingeborenen Gehilfen; 53 Gemeinden sind gegründet, die zusammen ca. 2500 Seelen zählen. Die Gottesdienste werden von über 6500 Leuten besucht; die Zahl der Schulkinder be­läuft sich auf ca. 1500. Von dem Fleiss, den die Missionare auf sprachliche Arbeiten verwendet hatten, zeugten zwei umfangreiche Lexika und Grammatiken in den Dialekten Neu-Pommerns und Neu-Lauenburgs, verfasst von den Herren Rickard und Brown. In beiden Dialekten waren vorhanden Lesebücher, Gesangbücher, Katechismen, Uebersetzungen der Evangelien und im Lauenburger Dialekt auch die ersten beiden Bücher Mosis. 98 in ausgezeichneter Weise ausgeführte Photo­graphien veranschaulichten das Wohnen, Leben und die Beschäftigungen der Eingeborenen nach allen Seiten hin, zeigten Gruppen von eingeborenen Heiden und Christen, von Lehrern und Schülern. Diese Sammlung von Photographien ist von hohem Werte und ist von keiner ähnlichen Sammlung auf der Ausstellung über­troffen worden.

Nicht vertreten waren auf der Ausstellung die Arbeitender Melanesischen Missionsgesellschaft*), welche auf der Insel Ysabel in der Salomogruppe 1200 Christen und ca. 250 Schüler gesammelt hat; auch hier ist eine Litteratur in der Landessprache im Ent­stehen. Auch die Amerikanische Gesellschaft**) hatte die Ausstellung nicht beachtet. Durch ihre Arbeit sind 4000 Seelen auf den Marshallinseln, das ist etwa ein Drittel der dort lebenden Ifingeborenen, für das Christentum gewonnen.

Die Missionsabteilung der Kolonial-Ausstellung hatte sich bis zu ihrer Auflösung der Beachtung und regen Teilnahme der Besucher in hohem Masse zu erfreuen. Obwohl es der erste Versuch dieser Art war, und die Sammlung viele Lücken aufzuweisen hatte, ist es doch dankenswert, dass die hohe Bedeutung, welche die evangelische Missionsarbeit für unsere Kolonien hat, durch dieses Mittel weiteren Kreisen in eindriicklichcr Weise vorgeführt werden konnte.

Die Ausstellung der katholischen Missionen.

Apostolische Präfektur Togo.

Steyler Missionare (Gesellschaft des göttlichen Wortes.)

Die katholische Mission in Togo hatte ebenfalls die Kolonial-Ausstellung in Berlin beschickt, namentlich mit ethnographischen Gegenständen, die in zwei grossen Schränken untergebracht waren. Es standen da Fetische,

*) Melanesian Mission. Revd. W. Selwyn, Secrctary. Hromfield Vicarage K. S. 0 . Shropshire, England.

**) Americ. Board of Coimnissinncrs for Foreign Missions. Somerset Str., Boston, Mass.

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