befindlichen Bibliothek, welche die auf die deutschen Schutzgebiete bezügliche neuere Litteratur enthielt, über die deutschen Schutzgebiete und koloniale Fragen überhaupt und über die einzelnen Ausstellungsgegenstände in der gewünschten Richtung zu orientieren. In der Lesehalle wurde dem besuchenden Publikum der von derDeutschen Kolonialgesellschaft herausgegebene kleine Kolonialatlas unentgeltlich verabfolgt; es wurden die Anmeldungen zum Eintritt in die Gesellschaft entgegengenommen und soweit als möglich Auskünfte erteilt. Es hatten dort ferner Aufstellung gefunden die Portraits der beiden Präsidenten der Kolonialgesellschaft und die Büsten hervorragender Afrikaforscher, während zwei Karten in graphischer Darstellung die Verbreitung der Deutschen Kolonialgesellschaft über Deutschland beziehungsweise über den Erdball zur Anschauung brachten. Der Besuch der Lesehalle war zu Zeiten ein äusserst reger; besonders zu erwähnen ist noch, dass auf Anregung des Herrn Präsidenten den Schülern der Eintritt zur Kolonial-Ausstellung unter leichten Bedingungen ermöglicht worden ist, so dass man hoffen kann, auch auf unsere heranwachsende Generation in dem kolonialen Sinne günstig eingewirkt zu haben.
Die Ausstellung der evangelischen Missionen.
Von A. Merensky.
In der Missionsabteilung der Kolonial-Ausstellung hatten die deutschen Missionsgesellschaften, deren Arbeiter in deutschen Kolonien stehen, ihre Thätigkeit und deren Erfolge nach Vermögen veranschaulicht. Der Gedanke, dass dies geschehen solle, war nicht von diesen Gesellschaften ausgegangen, sondern von dem Vertreter derselben im Kolonialrate, Excellenz Dr. von Jacobi, der zugleich in Angelegenheit der evangelischen Missionen Berater des Reichskanzlers ist. Seine Verhandlungen mit dem Ausschuss der evangelischen Missionen fanden das bereitwilligste Entgegenkommen und führten schnell zu einem gemeinsamen Handeln. Die nötigen Vereinbarungen mit dem Auswärtigen Amt, dem Arbeitsausschuss der Kolonial-Aus- stellung und den verschiedenen Missionsgesellschaften wurden dem Schreiber dieser Zeilen übertragen. Eile that not; denn schon war der Oktober vorigen Jahres herangekommen, und die Zeit von sechs Monaten, über die bis zur Eröffnung der Ausstellung verfügt werden konnte, war so kurz, dass nur durch schnelles und einheitliches Handeln ein Erfolg erzielt werden konnte. Es erschien auch wünschenswert, die nichtdeutschen evangelischen Missionen, die in unseren Kolonien arbeiten, heranzuziehen, wobei ausser englischen Gesellschaften eine australische und eine amerikanische Gesellschaft in Betracht kamen. Die Verhandlungen mit ihnen und die Benachrichtigung der Missionare draussen
von seiten der deutschen Missionsvorständc nahmen so viel Zeit in Anspruch, dass das schnellste Tempo geboten war.
Bei den in Betracht kommenden deutschen Gesellschaften fand das Unternehmen sofort kräftige Förderung, und auch die Mission der amerikanischen Presbyterianer (Board of F. M. of the I’resb. Ch. in the U. S. A.) und der australischen Wesleyaner (Austral- asian Weslevan Meth. Miss. Soc. Sydney) bekundeten bald durch Zusendung von zweckdienlichen Gegenständen lebhafte Teilnahme. Jene arbeitet im südlichen Teil unseres Kamerungebietes, in Batanga; diese unterhält ein ausgedehntes Werk auf dem deutschen Bismarck- Archipel. Ablehnend verhielten sich die in Betracht kommenden englischen Missionen, die Church Mission (Deutsch - Ostafrika), die Universitäten- (Deutsch - Ostafrika), die Melanesischc Mission (Salomonsinseln) und die amerikanisch - hawaiische (Marshall-Archipel). Um deren Arbeiten vorzuführen, mussten wir selbst Karten anfertigen lassen und Bücher und Bilder durch Kauf erwerben. An der Bestreitung der nicht unbeträchtlichen Kosten beteiligten sich die meisten deutschen Missionskonferenzen mit ansehnlichen Beiträgen. Bei Aufstellung des Planes wurde beschlossen, auf das Ausstellen ethnographischer Curiosa zu verzichten, teils weil man annehmen durfte, dass andere Aussteller solche in genügender Menge beibringen würden, teils weil sie den Missionsbetrieb nicht veranschaulichen. Ausgenommen sollten nur solche sein, welche zu dem religiösen Leben des betreffenden Heidenvolkes in erkennbarer Beziehung stehen. Karten sollten die Lage der Stationen, und Bilder die Arbeitsstätten und die Arbeit selbst veranschaulichen. Besonders sollte die Litteratur vertreten sein: Bücher, die in den Sprachen der Ein
geborenen erschienen sind, sowie Lehrbücher über diese Sprachen; daneben Veröffentlichungen der Gesellschaften über ihre Arbeit oder Arbeiten von Eingeborenen. Modelle von Häusern, Kirchen und Fahrzeugen sollten das Ganze vervollständigen. Der für die Missionsausstellung vorbehaltene Raum hat sich schliesslich als zu eng erwiesen. Wir selbst hatten nicht den Mut besessen, um Ueberlassung grösserer Flächen einzukommen, denn es war unmöglich vorher zu sagen, was an Ausstellungsgegenständen schliesslich Zusammenkommen werde. Zuletzt war eine solche Fülle eingegangen, dass wir recht gut den doppelten Raum hätten brauchen können. Die Enge gebot ein Zusammenhäufen der Gegenstände, die dem Eindruck des Ganzen Eintrag that und die das Besichtigen der einzelnen Stücke erschwerte.
Neben den einzelnen Missionsgesellschaften hatte der Evangelische Afrikaverein eine Wandkarte, sowie seine Zeitschrift »Afrika« und die von ihm verbreiteten Flugblätter ausgelegt. Die Karte zeigte die Ouadratmcile Landes, welche der Verein im Mkolo
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